Skitour Hinterer Brunnenkogel

Stubaier Alpen

3325 Meter

10. Mai 2018

 Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Lange Rundtour mit Start in Lüsens (1.634m). Zuerst zum Fernauboden und rechts aufwärts zur Längentaler Alm (1.989m), dann unterhalb des Westfalenhauses vorbei und weiter durch das Längental zum Längentaljoch (2.988m). Am Joch ostwärts bis zur deutlich erkennbaren Steilrinne in der SW-Flanke und durch diese in eine Scharte (ca. 3.220m), weiter am Südgrat zum Gipfel (3.325m). Zurück zur Scharte, durch eine kurze steile Rinne auf den Lüsener Ferner, über die "Mauer" abwärts zum Fernauboden und retour nach Lüsens.

 

Schwierigkeitsgrad: schwierig (S/I+). Schlüsselpassagen sind die Steilrinne in der SW-Flanke, an der steilsten Stelle ca. 45° (Steigeisen und evtl. Pickel empfehlenswert), und der Südgrat zum Gipfel (I+). Bei Schneeauflage bzw. Vereisung ist der Grat nicht zu unterschätzen. Im späten Frühjahr ist auch die Abfahrt durch den unteren Teil der Mauer nicht ganz einfach.

 

Schnee- und lawinenkundliche Erfahrung nötig. Für aktuelle Verhältnisse die Informationen des Lawinenwarndiensts beachten. 

 

Dauer: 6:30 Stunden 

Höhenmeter: 1600 Meter

 

Parkplatz:

beim Alpengasthof Lüsens (Tagesticket 4€).

 

Einkehrmöglichkeiten:

Alpengasthof Lüsens

 

Landschaft:    ********* (9/10)

Kondition:        ******** (8/10 - je nach Schneelage)

Anspruch:       ********* (9/10)



Kein Gipfelkreuz, sondern eine schmucklose Metallstange auf dem Hinteren Brunnenkogel (3.325m). Alles andere auf dieser Tour ist aber aller Ehren wert!

 

5:30 Uhr - los geht's in Lüsens (1.634m) bei deutlich besserem Wetter als vorhergesagt. Die Mauer macht trotz der langen Trockenheit und Wärme im bisherigen Frühling noch einen relativ passablen Eindruck, aber ganz durchgängig ist die Abfahrt im unteren Teil nicht mehr.

 

Beim Bergheim rechts hinauf in das Längental. Schneelage in etwa wie erwartet. Sinnvolles Anschnallen erst deutlich nach der Längentalalm auf ca. 2.050m.

 

Wunderbare Morgenstimmung am Weg ins Längental. 

 

Anschnallen auf ca. 2.050m. Ich hatte ja auf etwas Sonne gehofft, aber der Tag startet viel besser als erwartet!

 

Das Westfalenhaus (2.276m) lasse ich heute rechts liegen. Der südexponierte Anstieg, u.a. zum Winnebacher Weißer Kogel, wäre nur mehr mit einer längeren Tragestrecke zu machen.

 

Aufwärts in das Längental, wo im unteren Teil der Bachfallenkopf (3.178m) die Szenerie beherrscht. Von hier etwa 800 Höhenmeter zum noch nicht ganz sichtbaren Längentaljoch auf 2.988m.

 

Rückblick auf Westfalenhaus, dahinter Schöntalspitze (3.002m). 

 

Im Längental ist man in der Früh im Schatten. Linkerhand marschiert man entlang der Westwände von Lüsener Fernerkogel, Lüsener Spitze und ganz hinten des Vorderen und Hinteren Brunnenkogels. 

  

Die im Hochwinter so übervölkerte Tourenroute Richtung Längentaler Weißer Kogel ist bis auf einen Kollegen, der noch einen Tick früher aufgestanden als ich, völlig verwaist. Rechterhand ginge es ab auf den Grüne-Tatzen-Ferner hinauf zum Hohen Seeblaskogel

 

Die Route durch das Längental ist relativ monoton und perfekt zum Durchlüften der Gedanken. Auf ca. 2.700m erste Sonnenstrahlen unterhalb des Vorderen Brunnenkogels (3.304m). 

 

Der Kollege nimmt die Route auf den Längentaler Weißer Kogel.

 

Der Vordere Brunnenkogel ist vom Längental aus der beeindruckendste Gipfel in der langen Westwand. 

 

Heute geht's aber hinauf zum Längentaljoch vorne rechts. 

 

Auf 2.900m hat's wenige Zentimeter Neuschnee, die später dem Südgrat zum Gipfel noch etwas Würze verleihen werden. Im Hintergrund der Hohe Seeblaskogel (3.235m).

 

Am Längentaljoch (2.988m), die letzten Meter zum Joch musste ich aufgrund der rutschigen Neuschneeauflage stapfen. Das Joch ist Übergang zur Amberger Hütte und die Gegend rund um den mächtigen Schrankogel (3.497m).  

 

Nun wird's spannend. Vorne die Südwestflanke des Hinteren Brunnenkogels und die schon gut sichtbare Steilrinne hinauf zum Gipfelgrat. 

 

Zoom auf die im steilsten Bereich etwas über 45° steile und ca. 150m hohe Rinne. 

 

Vom Längentaljoch noch ein bisschen aufwärts, dann lege ich die Steigeisen an. Im Hintergrund der Längentaler Weißer Kogel (3.217m).  

 

Zustieg zur Rinne. 2cm Neuschnee, darunter bockhart. 

 

Mit Steigeisen ist der Aufstieg problemlos, nur an einer Stelle bin ich in die seitlichen Felsen ausgewichen. War durchaus froh um meinen Pickel. 

 

Ausstieg aus dem steilsten Teil. 

 

Oben schuttig und flacher. 

 

Gute Verhältnisse heute, aber Steigeisen sind im Frühjahr definitiv empfehlenswert. Die Scharte beim Ausstieg ist übrigens nicht die Brunnenkogelscharte, diese liegt weiter südlich Richtung Wildes Hinterbergl.

 

Kurze Rast auf der namenlosen Scharte, ca. 100 Höhenmeter unter dem Gipfel.  

 

Von der Scharte ein herrlicher Blick über den Lüsener Ferner. 

 

Doch die Abfahrt kann warten, der Gipfel ist nicht mehr weit. Ein sehr schöner Blockgrat. Diverse Berichte sprechen von brüchig, bis auf die üblichen lockeren Brocken ist das definitiv nicht der Fall. 

 

Am Grat schön trocken und bombenfester Fels - ein Genuss! 

 

Nicht ganz so ein Genuss ist es an den schattigen und noch schneebedeckten Stellen, wo man in die Westflanke ausweichen muss. 

 

Die sehr steile Südwestflanke mit dem Zustieg vom Längentaljoch. 

 

Nach 20 Minuten am letzten Aufschwung, ein oberer Ier, aber alles fest und große Griffe und Tritte. 

  

Hinterer Brunnenkogel (3.325m) - die angekündigten Gewitter schon am späten Vormittag halten sich mehr als nobel zurück, selbst die Quellungen vergnügen sich anderswo. 

 

Links Schrankar, Mitte Längentaler Weißer Kogel. 

 

Wie auf einer Perlenkette: Vorderer Brunnekogel (3.304m), Lüsener Spitze fast verdeckt (3.231m), hinten thront der Chef, der Lüsener FK (3.298m). 

 

Ein dickes Yeah! über dem Lüsener Ferner. 

 

Wildes Hinterbergl (3.288m) mit seiner steilen Nordflanke, dahinter Östl. Seespitze (3.416m) und Ruderhofspitze (3.474m)

 

Tiefblick auf den Anstiegsweg über das Längental. 

 

Nun wieder vorsichtig retour, ist aber trotz der Schneeglasur nie wirklich heikel (aber sowas ist ja immer subjektiv).

 

Ein Abgang wäre fatal. 

 

Beim Abstieg vom Grat ein Wechtenbruch am Hinteren Wilden Turm.  

 

Vorsicht an den westseitigen Stellen. 

 

Und runter zu den Ski. 

 

Start der weiten Abfahrt, zuerst die steile Rinne abwärts auf den Ferner. 

 

Der mächtige Lüsener Ferner. 

 

s'läuft. 

 

Schon steil, diese Nordflanke vom Hinterbergl. 

 

*Grins* 

 

Obwohl flach, läuft's von selbst hinaus. 

 

Zoom zum Hinteren Brunnenkogel. 

 

Die Berglasspitze (3.123m) weiß vom Ferner zu beeindrucken, ist für den Sommer schon auf dem Tourenzettel. 

 

Rückblick zu Hinterbergl (links), Brunnenkogelscharte (mitte) und Hinteren Brunnenkogel (rechts), die Abfahrtsrinne ist dort wo der Grat aufsteilt. 

 

Anfahrt zur Mauer. 

 

Einfahrt in die Mauer. 

 

Nun vom Winter wieder retour in den Frühling. 

 

Die Hohe Villerspitze (3.087m), auch so einer...

 

Keinerlei frische Spuren hinauf beim Ostanstieg zum Lüsener FK, die Tourensaison dürfte hier nur mehr für ein paar Verrückte andauern. 

 

Ich bin ja die Mauer schon mehrfach aufgestiegen und abgefahren, aber mit den ganzen Felsen schaut das ganze irgendwie anders aus. Hab mir schwer getan die richtige "Einfahrt" zu finden.

 

Einfahrt in eine Rinne mit bereits offenem Bachbett, mich machen tosendes Wasser und dünne Schneedecken ja immer ein bissl nervös. 

 

Hier bin ich richtig, nun noch rechts hinauf zur Schneezunge. 

 

Hat auch nicht geschadet...

 

Stauden rauschen.

 

Und die letzten Schneemeter. 

 

Frischwasser in den Skischuhen hat auch nicht geschadet. 

 

Sehr froh um den fahrbaren Untersatz.

 

Die Tour hat mir extrem getaugt, hatte alles was zu einer schneidigen Frühjahrstour dazugehört. Und das Wetter hat auch gehalten. 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    rainer (Freitag, 11 Mai 2018 19:13)

    gewaltige Tour Jürgen - gratuliere!