Raffelspitze

2324 Meter

Karwendel

20. Juli 2018

Autor: Jürgen

Mit auf Tour: Nelli

 

Beschreibung:

Von Scharnitz (955m) mit MTB in das Karwendeltal bis zur Wildfütterung nahe des Hochkars (ca. 1.310m). Zu Fuß auf das Bäralpl (1.820m). Weglos zum Ansatz des Südostgrats der Raffelspitze, am Weg dorthin über eine Felsstufe mit windiger Versicherung. Erster Gratteil nach der Einstiegsrinne guter Fels, nach mehreren Absätzen gelangt man zu einer flachen Plattenstelle. Oberhalb über steile Schrofen und zunehmend brüchiger über diverse Türme aufwärts, an zwei Stellen nordseitige Umgehungen. Auf den letzten 100 Höhenmetern geht der Grat in Gehgelände über bis zum Gipfel (2.324m). Abstieg über den Südwestgrat (alternativ über den Nordwestgrat) und eine brüchige Rinne in das Hochkar und über die Schuttströme ins Tal. Mit dem MTB retour nach Scharnitz. 

 

Schwierigkeitsgrad: schwierig (T5/II)

Ohne Schwierigkeiten zum Bäralpl. Erste Felsstufe mit wackeliger Versicherung, volle Belastung vermeiden. Einstieg in den Ostgrat II, an einem (möglicherweise umgehbaren) Aufschwung II+. Steile Schrofen, nach oben hin sehr brüchig. Schlüsselstelle mit brüchigem Aufschwung (II) und nordseitiger Umgehung. Weiter oben schönes Klettern mit I-II und weiterer nordseitiger Umgehung (II). Abstieg über Südwestgrat I, ab Hochkar sehr grobschottrig und mühsam.   

 

Dauer: 6:00 Stunden

Höhenmeter: 1.450 Meter

 

Parkplatz:

An der B2 auf deutscher Seite. 

 

Einkehrmöglichkeiten:

Gastronomie in Scharnitz

 

Landschaft:  ********* (9/10)

Kondition:          ****** (6/10)

Anspruch:       ******** (8/10)



Auf der Raffelspitze (2.324m) in der Nördlichen Karwendelkette. Kein herausragender Berg für die Massen, sondern mit der Überschreitung vom Bäralpl zum Hochkar ein echtes Schmankerl. 

 

Nelli ist wieder mit am Start. Nach der harten Tour auf die Kirchdachspitze in der Vorwoche wollten wir heute weniger Nervenkitzel und mehr Genuss. Von der deutschen Seite nach Scharnitz und ein paar hundert Höhenmeter hinein in das Karwendeltal. In Bildmitte der Bäralplsattel, unser erstes Zwischenziel, links davon die Raffelspitze. Wir wollen über den Südostgrat auf- und über das Hochkar absteigen.

 

Ausschau halten nach einem geeigneten Platz für das Raddepot. 

Die Gegend rund um die Wildfütterung vor der Angeralm sollte zu bestimmten Jahreszeiten gemieden werden. Unser Abstieg wird uns später vom Hochkar über die Schuttströme im Hintergrund herab führen. 

 

Wir zweigen vom Hauptweg ab und ... 

 

... schlagen uns durch bis zum Steig ...  

 

... der in angenehmer Steigung hinauf zum Bäralpl führt. 

 

Ab der Mittagszeit waren Gewitter vorhergesagt, nach etwas Restbewölkung in der Früh hatten wir echtes Wetterglück. 

 

Erster Blick zum Südostgrat der Raffelspitz. 

 

Nach einer knappen Stunde erreichen wir den Bäralplsattel (1.820m). Bereits hier ein toller Blick auf die Nordseite der Karwendelhauptkette. 

 

Und auch hinüber zum Karwendelhaus und zu Birkkar- und Ödkarspitzen, ideales Skirevier der Karwendelreib'n. 

 

Ab sofort weglos weiter. Südlich stark erodierte Abstürze, etwas Abstand halten.

  

Sehenswerter Tiefblick in das Karwendeltal, durch das wir hereingefahren sind. 

 

Schaut interessant aus, der Südostgrat. Man beachte im Vordergrund die unscheinbare Felsstufe. 

 

Im Norden die Soierngruppe. 

 

Langsam wird's interessant. 

 

Der sperrende Felsriegel schaut auf den ersten Blick unüberwindbar aus. Über einer Leiste sind alte Versicherungen angebracht, die wir dankbar nutzen. 

 

Sonst wär das hier gleich mal ein oberer IIIer. Es empfiehlt sich, das schmale Drahtseil eher für das Gleichgewicht zu nutzen und eine volle Belastung zu vermeiden. 

 

Wieder ein neues Eck im unerschöpflichen Karwendel. 

 

Nach dem Felsriegel noch etwas Gehgelände, bevor oben sehr spät die Einstiegsrinne zum Vorschein kommt. 

 

Fester Fels, so macht das Spaß (II). 

 

Steil über die ersten Absätze aufwärts. 

 

An einer Stelle drängt es uns leicht in die Ostflanke ab, wäre eventuell auch direkt über den Grat zu lösen.

 

Wir nehmen aber die direkte Variante über eine 5m hohe Wand (schon eher II+). Für Nelli ein Kinderspiel. 

  

Leicht ausgesetzt, aber noch im Genussbereich, der bis zum Gipfel anhält. 

 

Dann für einige Meter auf dem flachen, schmalen Grat dahin (I, nach beiden Seiten ausgesetzt). 

 

Danach wieder steiler und schrofiger. 

 

Trittsicherheit vorteilhaft, unten die plattige Gratstelle. 

 

Steil, aber unschwierig rauf. Man erkennt oben an der Farbe die zunehmende Brüchigkeit des Gesteins. Wir halten uns eher rechts. 

 

Und nähern uns einer der in diversen Berichten beschriebenen Schlüsselstelle. 

 

In der Tat: durch eine rutschige Schrofenrinne rauf und sehr brüchig aussteigen (II). 

 

Weiter rauf. Die Vertiefung führt zu einer nordseitigen Umgehung, die in trockenem Zustand keinerlei Probleme macht. 

 

Unmittelbar nach der brüchigen Steilstufe.

Die Stelle mit der nordseitigen Umgehung (hier links) im Rückblick. 

 

Der weitere Gratverlauf. Schrofige Partien mit gutem Fels, oben nochmals etwas brüchiger. 

 

Nelli am bzw. leicht neben dem zerklüfteten Grat. 

 

Traumhaft - vor uns das im Winter beliebte Neunerkar, in Bildmitte die Breitgrieskarspitze (2.590m). 

 

Schafe am Bäralpl. 

 

Der Grat lässt zwischen immer wieder Zeit zum Verschnaufen. Blick ins Vorkarwendel, unten das Fermersbachtal. 

 

Bergsteigen im Karwendel - einfach unschlagbar. 

 

Ein schön zu kletternder Gratturm (II-). 

 

Dann folgt eine zweite Zone mit orangebraunem Störzonenmaterial. 

 

Wir queren leicht ausgesetzt in die Nordseite. 

 

Und gewinnen den Grat über einen schönen Aufschwung (II) ... 

 

... der im Rückblick durchaus luftig ist. 

 

Die Schwierigkeiten sind fast geschafft, noch ein letzter größerer Turm. 

 

Dahinter kurz Abklettern. 

 

Dann bleibt nur noch Gehgelände. 

  

Wer will kann noch ein paar Mal hinlangen. 

 

Das war's - Gipfelstange in Sicht. 

 

Rückblick auf das Bäralpl und den herrlichen Südostgrat. Dahinter Bäralplkopf, Schlichtenkar-, Östl. Karwendel- und Grabenkarspitze. 

 

Geschafft! Nach etwa 1:30h vom Bäralpl. 

Wir machen es uns gemütlich - im Hintergrund der zerklüftete Westteil der Nördlichen Karwendelkette. 

 

Nelli studiert die Abstiegsmöglichkeiten.

 

Der Nordostgrat dürfte keine größeren Schwierigkeiten aufweisen (I). 

 

Wir nehmen aber den Südwestgrat. 

 

Irgendwo muss man da unten rechts in das Hochkar absteigen. 

 

Es dauert aber nur wenige Meter, dann ...

 

... unterbricht ein hoher Abbruch den SW-Grat. 

 

Daher in diese brüchige Rinne. 

 

Halb so wild, aber aufwärts wäre das eine extrem mühsame Angelegenheit. 

 

So schottern wir mehr oder weniger elegant ins Hochkar ab. 

 

Die sehr schön anzusehende Hochkarspitze (2.482m) - der direkte Ostgrat ist III, es gäbe in der Ostflanke auch (nur für den Abstieg empfehlenswerte) begehbare Steilrinnen. 

 

Leider lässt die Schotterqualität im Hochkar bald sehr zu wünschen übrig. Statt bequemem Abrutschen wird es wird von oben bis unten eine mühsame Koordinationsübung. 

 

Ein schönes Kar ist es aber allemal. 

  

Im Abstieg. 

 

Von hier noch 600 Höhenmeter direkt runter. 

 

Entweder sehr blockig oder zu harter Untergrund - ein zweifelhaftes Vergnügen für die Gelenke. 

 

Es ist 11 Uhr - die ersten Gewitterwolken türmen sich auf. 

 

Trotzdem des mühsamen Untergrunds kommen wir schnell runter - die 1.000 Höhenmeter vom Gipfel zum Rad haben wir in einer Stunde abgespult. 

 

Hier könnte man im Winter sicher elegant mit Ski herumkurven. 

 

Heute weniger elegant, aber zweckmäßig irgendwie runter. 

 

Endlich herunten, die letzten Meter sogar auf altem, ausgeschnittenen Steig. 

 

Man beachte die verblasste rote Markierung. 

 

Wir holen die Räder aus dem Unterholz und ... 

 

... düsen talauswärts. Von Westen drückt's wie angekündigt das erste Gewitter herein, wir schaffen's grad noch trocken nach Scharnitz. Trotzdem waren im Karwendeltal noch unzählige Radler und Wanderer unterwegs, ich frage mich ob die alle keinen Wetterbericht lesen. 

 

Vielleicht weil es taleinwärts noch so schön ausgesehen hat. Mit einem Rückblick auf die Raffelspitze (etwas links der Bildmitte) rollen wir hinaus. Mich braucht ja keiner mehr überzeugen, aber nun dürfte auch Nelli das Karwendelfieber gepackt haben (bitte - gerne ;). Nach exakt 6 Stunden sind wir zurück beim Auto. 

  


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