Talleitspitze

3408 Meter

Ötztaler Alpen

25. August 2017

Autor: Roman

 

Beschreibung:

Die Talleitspitze (3408 Meter) thront königlich über dem Venter Tal. Und dennoch ist der markante Berg der Ötztaler Alpen ein einsamer Gefährte. Im Schnitt sind etwa zehn Besteigungen im Jahr dokumentiert - der Weg über den Nordostgrat ist mit Steinmännern gut markiert, oben aber sehr brüchig. Einige Mal krachten Felsen südseitig in die Tiefe - das Gelände war stark in Bewegung.

Viele schmachten nur von unten aus dem touristischen Tal auf den Gipfel - so wie Georg, den ich beim Gipfelaufstieg getroffen. Er wollte umdrehen, aber alleine durch meine Anwesenheit hat er neuen Mut für den letzten Anstieg geschöpft. Der Deutsche träumte 43 (!) Jahre von der Besteigung der Talleitspitze.

 

Schwierigkeit: schwierig (weglos/durchgehend Steinmänner am Weg/T5/II-)

Aufstieg von Vent auf das Hörnle wenig schwierig (T2+). Weiterweg auf die Schale (ca. 2800 Meter) auf gut erkennbaren Steigspuren, aber ohne Markierung mittel schwierig (T3). Durch das Kar zum Grat viele Steinmänner und Steigspuren (T3). Vom Grat zum Gipfel (ca. 300 hm) am Schluss sehr brüchiges Gelände, teils ausgesetzt (deshalb die Bewertung: T5/II-) - ohne den brüchigen Teil wäre das Gebiet im I. Schwierigkeitsgrad.

 

Dauer: 6 Stunden

Höhenmeter: 1523 Meter

Kilometer: 11,2 Kilometer

 

Parkplatz:

Kostenfreie oder kostenpflichtige Parkplätze in Vent (je nach Parksituation).

 

Einkehrmöglichkeiten:

Viele sehr gute Gaststätten in Vent.

Am Weg selbst gibt es keine Einkehrmöglichkeiten (ostseitige Lage - sehr sonnig und Höhenlage bis 3400 Meter! An genügend Wassermitnahme denken!).

 

Landschaft:    ********** (10/10)

Kondition:          ******** (8/10)

Anspruch:             ******* (7/10)


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Die Talleitspitze (3408 Meter) in den Ötztaler Alpen.

Frühmorgens an diesem August-Tag überragt die Talleitspitze das Venter Tal - ein fürstliches Panorama. Von hier sieht der Berg schwierig aus. Und er wird auch noch seine Krallen zeigen.

Zu Beginn der Tour folgen wir von Vent dem breiten Pfad zur Martin-Busch-Hütte.

Schon nach wenigen Minuten zweigen wir Richtung Hörnle rechts ab.

 

Auf dem flotten Steig geht es wenig schwierig rasch voran (T2+).

Ein Blick Richtung Schalfkogel - das Panorama ist überwältigend.

Vent wird immer kleiner und kleiner.

Auf dem Hörnle (2406 Meter). Bis hierher war es eine kleine, flotte Wanderung.

Für die meisten Wanderer ist hier Schluss - für mich geht's erst richtig los. Die Steigspuren ziehen sich wie ein aufbereiteter Weg nach oben. Keine Schwierigkeiten, das Gelände nicht zu finden.

Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Kurz vor dem Kar "Auf der Schale" gibt es den ersten Blick auf die Talleitspitze mit ihren Platten - sieht mächtig aus von hier. Rechts ist ein Gipfelkreuz für die "Schale".

Roman auf dem unscheinbaren kleinen Gipfel mit seinem Kreuz.

Wir steuern auf den Grat zu - der markante Zacken vorne (ca. 3100 Meter) wird links großräumig umgangen.

Das Gelände wirkt wie eine Mondlandschaft: Alles zerklüftet, aber flach.

Unzählige Steinmänner markieren den Weg nahezu perfekt - die Steigspuren sind im teils sandigen Untergrund gut zu erkennen. Keine Orientierungsprobleme also.

In flacher Steigung nähern wir uns dem Grat, der neben den Platten erreicht wird.

Auf etwa 3100 Metern besteigen wir erstmals den Nordostgrat. Das Gelände bleibt vorerst noch gut gangbar (T3+), verschärft sich aber nach oben hin.

Schöne Blockkletterei am Grat (I) - teils brüchig, aber noch im Rahmen.

Immer den Steigspuren nach bleiben wir am Grat.

Aus dem Nichts taucht plötzlich Georg auf, ein deutscher Pensionist, der ins Ötztal gezogen ist. Er ruft mir schon von weitem zu: "Hier geht's nicht mehr weiter. Hier bricht alles weg." Das muss ich mir genauer ansehen und biete ihm an, mich zu begleiten. Er träumt seit 43 Jahren davon, einmal auf der Talleitspitze zu stehen - also gehe ich im langsamen und behutsamen Tempo vor und erkunde das Gelände. Er folgt vorsichtig.

Der erste Teil ist der schwierigste (II-) und braucht Reibung, danach wird's einfacher.

Kurz vor dem heiklen Aufschwung gilt es oberhalb dieser Platten zu queren (I+), das Gelände ist hier ein wenig ausgesetzt.

Georg hat Recht: Es wirkt so, als würden die Platten hier nur übereinander gelegt sein. Jeder Griff muss dreifach geprüft werden, selbst große Brocken brechen weg. Die Steilheit ist moderat, aber der Untergrund rutschig. Das Gestein bewegt sich - ständig brechen um uns herum Felsen weg. Deshalb kriegt die Tour von mir auch entgegen der AVF-Meinung ein T5/II- für eine schwierige Tour.

Der erste Übergang von den Platten ist gemeistert, das Gelände wird langsam wieder fester (I).

Langsam kann ich wieder richtig zupacken - es wird einfacher.

Unvermittelt taucht das Gipfelkreuz auf - am Grat ist noch eine leicht ausgesetzte Stelle zu meistern (I), danach sind wir da.

Roman am Gipfel der Talleitspitze (3408 Meter) - die stand schon länger am Plan.

Georg und Roman am Gipfel - er war vor Glück kaum zu bremsen und bedankte sich mehrmals. Nach gemeinsamer Rast stiegen wir auch gemeinsam wieder ab - auch wenn das Zeitbudget knapp wurde, diese Bitte konnte ich ihm nicht abschlagen.

Das schöne Gipfelbuch erzählt die Geschichte des Gipfelkreuzes von 1991.

Das Gipfelbuch stammt aus dem Jahre 1993, ist aber noch kaum gefüllt. Im Jahr sind etwa zehn Besteigungen dokumentiert.

Ein Blick hinüber zur Kreuzspitze (3455 Meter), dem überlaufenen höchsten Berg des Kamms. Ein klassischer Wander-3000er ohne Gletscherberührung.

Ein Blick Richtung Hauptkamm und die mächtigen Gletscher auf der Nordseite.

Danach geht es ruhig die obere Schlüsselstelle wieder herunter - Georg verabschiedet sich aus der Ferne, nachdem wir die schwierigen Stellen gemeinsam gemeistert haben.

Er entschließt sich, Pause zu machen - ich sprinte im Lauftempo bergab.

Durch das blockige Werk geht's wieder zurück.

Am Hörnle vorbei nähern wir uns Vent auf dem Aufstiegsweg. Eine schöne Tour mit einem großartigen Panorama geht zu Ende - danach wartet die Arbeit.


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Kommentare: 1
  • #1

    rainer (Sonntag, 15 Oktober 2017 21:53)

    Roman, neben der unvergesslichen Tour auf einen formschönen, freistehenden Riesen im Ötztal-Kristallin - ich hoffe du hast dir Aussehen und Eigenschaften des Gesteins gut eingeprägt - hast du auch als Bergsteiger richtig gehandelt und, wenn du schon nicht mehr daran denkst und es aber selber brauchst, kommt auch dir rechtzeitig Geleit zu. Warte ab, das Leben ist unheimlich lang!
    Daumen hoch, Rainer