Glungezer Klettersteig

2677 Meter

Tuxer Alpen

3. August 2021

Autor: Roman

Fotos und mit auf Tour: Marcell

 

Beschreibung:

Der neue, im Sommer 2021 fertiggestellte Klettersteig auf den Glungezer (2677 Meter) ist gerade für Einsteiger in das Metier gut geeignet. Der künstlich angelegte Pfad liegt unweit der Bergstation der Glungezerbahn (2054 m) und führt in teils lustigen, teils luftigen Varianten über die großen Blocksteine hinauf zum Aussichtsgipfel der Tuxer Alpen. Dabei bietet sich stets die Möglichkeit, die Passagen bei zu großer Schwierigkeit zu umgehen bzw. den Pfad zu verlassen. Marcell und ich haben die Bergtour von Tulfes (923 m) in Angriff genommen und sind dann witterungsbedingt bei der Glungezerhütte (2610 m) wieder abgestiegen und mit der Bahn abgefahren.   

 

Schwierigkeit ziemlich schwierig (markiert und versichert/I/C)

Der Klettersteig ist in vier Abschnitt geteilt - da bei unserer Runde noch kein Top vorlag, halten wir uns bei subjektiver Einschätzung an die klassische Klettersteig-Einschätzung - Zustieg einfach über die Piste, Abstieg am Normalweg zur Glungezerhütte mittel schwierig.

 

Dauer: 6 Stunden

Höhenmeter: 1679 Meter

Kilometer: 11,8 Kilometer

 

Parkplatz:

Kostenfreie Parkplätze bei der Glungezer-Talstation in Tulfes (ca. 950 m).

 

Einkehrmöglichkeiten:

Tulfeinalm (2035 Meter)

Glungezerhütte (2610 m)

 

Landschaft:      ********* (9/10)

Kondition:            ******* (7/10)

Anspruch:             ******* (7/10)


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Marcell am Glungezer-Klettersteig.

Als die letzten Wanderer im Angesicht der Regenwolken in der Bergstation verschwinden, kommen Marcell und ich nach den bisher gut 1100 Höhenmeter erst so richtig in Schwung. Was aus einer "kleinen Halsmarter-Runde" eigentlich nur zur Mittelstation führen sollte, führt uns nun bis in die Haaspitzen motiviert zum erst vor kurzem neu erbauten Klettersteig. 

30 Minuten sind es von der Bergstation zum Einstieg - wir machen's in zehn.

Am herrlichen Zirbensee (2090 m) angelangt zeigt sich der gesamte Anstieg zum Glungezer. Marcell hat erst vor zwei Tagen den verkürzten Berglauf über gut 1500 hm in gut 1:30 Stunden bewältigt - und trotzdem macht er das Tempo, was sonst.

 

Eine Gewitterfront hängt über Telfs, die SO-Strömung wird sie aber nach Norden hinaustreiben, so viel lässt sich durch eifriges Wetterkarten-Studium herausfinden. Dennoch: Streifen soll uns der Regen noch in gut einer Stunde, also nix wie rauf.

Der Zirbensee, ein Ort zum Verweilen und Trinkflaschen auffüllen.

Immer gut, mit einem Local hero am Weg zu sein - ich folge dem Lehrer einfach im Gänsemarsch.

Abschnitt 1 beginnt mit einer Übungsplatte, die wahrlich für erst Klettersteig-Schritte sehr gut geeignet ist.

Marcell testet schon mal die Felsqualität.

Der Übungston verschärft sich, mein Instruktor bleibt dennoch geduldig mit mir.

Blick hinab auf die Forststraße, die ich hier rauf schon befahren bin.

Durchgehend sind Klammern und Trittbügel angebracht, das Seil sitzt bombenfest. Die schaurigen alten Sicherungen von einst sind mir nur wortwörtlich nur mehr lose in Erinnerung.

Feine Kletterpassagen im soliden Felsen, Schwierigkeit meiner Meinung nach A/B.

Am "Balkon des Königs" angelangt - fein ist, dass auch die Höhe (hier 2309 m) angeschrieben ist. Also fast genau auf Augenhöhe mit dem Schartenkogel.

Der König des Glungezers auf seinem Balkon.

Konstruktiv was Höhenmeter betrifft ist der Klettersteig ja nicht gerade, wir steigen in das "Tal der verwunschenen Schneehühner" ab.

Die Tonart des Klettersteigs wir schärfer - es ließe sich wie gesagt aber alles notfalls umgehen.

Man sieht, meine Titulierung der Senke kam nicht von ungefähr.

Geniale Sonnen-Wolken-Spiele am Weg über Felsblöcke hinweg.

Der "Lago di Zirbeno" - (c) Marcell - zeigt sich in seinen schönsten Farben, dahinter erfasst die Schlechtwetterfront schon das Karwendel.

Weiter im Klettersteig-Modus, es bleibt überschaubar schwierig und wenig ausgesetzt.

Marcell im Rückblick.

Die Schlangenkluft - ja, jetzt wird es lustig und spannend.

Eine der beiden schwierigsten Stellen (für mich C): Über die Stifte klettern wir die Felsenkluft hinauf - ein Sturz würde böse enden, da die Kluft sich nach unten verengt und noch einige Meter nach unten führt. Vorsicht ist geboten.

Und nun die in Wahrheit kniffligste Stelle, die wohl die meisten umgehen müssen: Das "Berg-Manderl", ein vielleicht 40 Zentimeter breiter Spalt. Marcell passt da zweimal rein, viele andere müssen wohl außenrum. Der Rucksack hat definitiv keinen Platz mehr.

Wieder draußen aus der Engstelle.

Der nächste Abschnitt.

Marcell neben der "Krone der Prinzessin", die aus alten Versicherungen errichtet zu sein scheint. Vorbei an einem in Plastik verpackten Zettel "Noch nicht gebaut Ende Juli" (kein Spaß) wartet nun das hinter uns sichtbare Gehgelände zum Felsen direkt neben dem Masten der Materialseilbahn.

Noch einmal Luft holen vor den letzten beiden Abschnitten.

Hinauf zum "Zahn des Riesen" auf 2392 m.

 

Die Stelle ist unten etwas knifflig.

 

Marcell ist aber ohnedies nicht mehr zu bremsen.

 

Der "Hammer des Riesen" - Marcell hat den Hammer übrigens erst unlängst beim Glungezer-Berglauf getroffen, wie er mir versichert.

 

Wieder auf Eisentritten hinab und auf der anderen Seite sogleich wieder rauf.

 

Ein paar Meter Gehgelände, dann entschließen wir uns nach sorgfältigem Wetterstudium auch noch den letzten Abschnitt "Zauberwand" mitzunehmen.

 

Über die Klammern in gewohnt soliden Felsen nach oben, ab und an muss man auch nur mit Seil nebenan am Felsen anpacken (I).

 

Marcell auf den letzten Metern.

 

Dann haben wir das Ende des Klettersteigs erreicht - samt "Besteigungsbuch". Die Hütte ist hinten sichtbar und nur mehr einen Katzensprung durch Blockgestein entfernt.

 

Gehgelände in bewährter Tuxer Qualität liegt vor uns

 

An der Glungezerhütte (2610 m) gibt es nur mehr kurzen Smalltalk und den Entschluss: Jetzt nichts wie runter, fährt auch die letzte Bahn alsbald. Die ersten dicken Regentropfen fallen gerade als wir den Abstieg beginnen - eine Punktladung.

 

Gut 550 Höhenmeter sind es runter - und hat es nicht nur bei uns gerauscht. Ein Wolkenbruch samt Wind und pfiffiger Kälte ergießt sich über uns. Wir verstauen alles im Rücksack und sind uns einig: Beine in die Hand nehmen und nix wie los. Mehr Infos zum Abstieg gibt es bei Bedarf hier.

 

Als der Spuk vorbei ist, sind wir schon im Sonnenschein wieder kurz vor der Bergstation. Nichts wie rein in die Bahn und retour ins Trockene. Der Glungezer-Klettersteig stellt sich als lustige und abwechslungsreiche Variante auf den geliebten Gipfel vor - und gerade für all jene, die Vergnügen den Vorzug vor dem Sport geben, sind hier gut aufgehoben. Das Ziel ist ja ohnedies immer ein lohnendes.

 



Kommentare: 2
  • #2

    Roman (Mittwoch, 25 August 2021 09:21)

    Hallo Stefan,

    Theoretisch muss keiner der schwierigen Abschnitte begangen werden, weil man an allen Felsen auch "vorbeiwandern" kann. Was den Aufstieg zur Hütte betrifft, muss man sich ggf. weglos über das Blockwerk im Stile der Tuxer Alpen kämpfen, was wohl am ehesten in die Kategorie "Wandern unter erschwerten Bedingungen" fällt. Der offizielle Wanderweg verläuft etwas abseits.

    In Summe ist der Klettersteig eine Wegoption, keine Notwendigkeit, es kann alles leichter umgangen werden.

    lg

  • #1

    Stefan (Dienstag, 24 August 2021 19:04)

    Hallo :)
    Vielen Dank für den tollen Bericht.
    Verstehe ich die Beschreibung richtig, dass der Klettersteig nach jedem Abschnitt frühzeitig beendet und wieder runter gewandert werden kann, oder können lediglich Abschnitte umgangen werden, sodass man doch bis zur Hütte aufsteigen muss?
    Vielen Dank und Gruß