Arnspitzen-Überschreitung

2171 / 2091 / 2196 Meter

Wetterstein

20. September 2018

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Überschreitung der Arnspitzgruppe von West (Arnplattenspitze) nach Ost (Gr. Arnspitze): Von Gießenbach (1.012m) am Karrenweg und Steig zum Hohen Sattel (1.495m). Weiter hinauf zum Kamm nahe des Weißlehnkopfs (ca. 1.980m) und ostwärts, zuletzt mit etwas Kletterei zur Arnplattenspitze (2.171m). Abstieg über die Platten und Latschen in die Weite Scharte (1.998m), dann nordwestseitiger Aufstieg über Bänder und zum Schluß südseitig auf die Mittlere Arnspitze (2.091m). Ostseitiger Abstieg über eine Rinne auf einen Schrofenhang und über das "bösartig aussehende Band" in die Enge Scharte (1.988m). Über diverse Aufschwünge zur Gr. Arnspitze (2.196m), dessen Kreuzgipfel über eine Scharte erreichbar ist. Abstieg zur Arnspitzhütte (1.930m) und über die Südflanke zurück zum Hohen Sattel und nach Gießenbach.

 

Schwierigkeitsgrad: schwierig (T5/II)

Steiler, letzter Aufschwung zur Arnplattenspitze (II). Der Abstieg über die Plattenrisse nach Osten braucht trockenen Fels (I+). Etwas umständlich durch die Latschen in die Weite Scharte (T5/I), teilweise nordseitig an der exponierten Gratkante. Zur Mittleren Arnspitze über schmale Bänder, teils ausgesetzt (II), oberster Aufschwung in festem Fels (II). Abstieg über die steile Rinne (II) und das auf wenigen Metern recht ausgesetzte Band in die Enge Scharte (II). Anstieg zur Gr. Arnspitze sowie hinüber zum Kreuzgipfel max. I, der Steig durch die Südflanke ist recht abschüssig (T4). 

 

Dauer: 6 Stunden (bei flottem Tempo)

Höhenmeter: 1.520 Meter

 

Parkplatz:

Wanderparkplatz Gießenbach

 

Einkehrmöglichkeiten:

Ghf. Ramona / Gießenbach

 

Landschaft:  ********* (9/10)

Kondition:        ******* (7/10)

Anspruch:       ******** (8/10)



Mittlere Arnspitze (2.071m) mit der atemberaubenden Arnplattenspitze (2.171m) im Hintergrund. Die Arnspitz-Überschreitung zählt zu den genussvollsten Grattouren im Wetterstein und dem nahen Karwendel, wodurch sich ein Ausweichen auf einen weniger frequentierten Wochentag empfiehlt.

 

Los geht's um die Mittagszeit an einem herrlichen Spätsommertag in Gießenbach, zwischen Seefeld und Scharnitz. Oben bereits die Protaganisten: links die Arnplattenspitze, daneben die Mittlere Arnspitze, rechts die seit einem Waldbrand im Jahr 1947 fast kahle Südflanke der Gr. Arnspitze. 

 

Nach etwas Zick-Zack finde ich den Karrenweg zum Hohen Sattel, links die beeindruckend mächtige Schotterreise unterhalb der ... 

 

... hier links sichtbaren 'Kastentalriepen'.  Hier ist der Karrenweg bereits in den Steig übergegangen.

       

Mit jedem Schritt verbessert sich das Panorama in das östlich gelegene Karwendel

 

Nach etwas über 45 Minuten komme ich zum Hohen Sattel (1.495m). Links geht's hinauf zur Hochfluder, eine lohnende Schnee(schuh)tour, rechts zweigt der Steig ab zur Arnplattenspitze. 

 

Anfangs noch im schattigen Bergwald. 

 

Kurz danach in die sonnenexponierte Südflanke. 

  

Toller, aussichtsreicher Anstieg. Vorne Weidach und die Leutasch, hinten die Hohe Munde (2.662m), links am Horizont die Sellrainer Berge.

  

Unterhalb des Kamms ist der Steig mitunter schweißtreibend steil. 

 

Das Panorama an diesem Tag: einfach nur Wow!

 

Neben dem Weißlehnkopf (2.002m) gelangt man auf den Rücken. Von hier könnte man auch steil nach Leutsch-Ahrn absteigen. 

 

Doch ich wende mich der Arnplattenspitze Richtung Osten zu. 

  

Ein spitzer Zahn mit einem schönen Finale.

 

Schöner Blick nach Norden in das Mittenwalder Becken. Links außen die Untere Wettersteinspitze (2.151m), dahinter das Estergebirge, rechts vorne die Soierngruppe. 

 

Fester Wettersteinkalk, der mich auf der gesamten Gratüberschreitung begleiten wird. Zum Schluss sind zwei steilere Aufschwünge zu nehmen (II). 

 

Ankunft auf der Arnplattenspitze (2.171m). 

 

Poesie im Gipfelbuch, mit Fernblick auf das südwestliche Karwendel mit vielen bekannten Gipfeln: rechts die markante Reither Spitze (2.374m), mittig die Erlspitze (2.405m), dahinter die 'Nordkette' u.a. mit dem langen Grat zwischen Solsteinen (2.637m) und Brandjochspitzen (2.599m).  

 

Vorfreude auf die Gratüberschreitung an diesem Bilderbuchtag. Habe niemanden gesehen oder getroffen und hatte die ganze Arnspitzgruppe quasi für mich allein. An schönen Wochenenden ist davon eher nicht auszugehen, ich war schon mehrmals auf der Arnplattenspitze und da war immer einiges los.

 

Nächstes Ziel: die in Bildmitte fast verschwindende Mittlere Arnspitze, welche aber die größten Herausforderungen auf dieser Überschreitung bereithält, davor die etwa 170 Höhenmeter tiefer gelegene 'Weite Scharte'. Weiter hinten die Gr. Arnspitze, deren Westgrat deutlich einfacher ist.

 

Einige Meter runter von der Arnplattenspitze. 

 

Und Einstieg in die steilen Platten. 

 

Die Platten sind durch Risse durchzogen, durch die man erstaunlich bequem absteigen kann (II an einer Stelle, sonst T5/I). Nässe kann man hier nicht gebrauchen.

 

Der von oben nach unten ziehende Riss ist relativ breit und dadurch gut gangbar. 

 

Rückblick auf diese famose Passage. Unten kann man auf einem grasbewachsenen Band aussteigen. 

 

Ursprünglich dachte ich, dass der weitere Abstieg in die 'Weite Scharte' nur eine Formsache ist, doch man muss schon etwas suchen. Am besten geht's links entlang der Gratkante. 

 

Zwischendurch etwas Latschen-Ringkampf, es gibt aber dann doch immer wieder schmale Gassen.

 

Rückblick aus der 'Weiten Scharte' auf die ca. 170 Höhenmeter Abstieg von der Arnplattenspitze. 

 

Hin zum Klotz der Mittleren Arnspitze. Die Anstiegsroute verläuft über die hier gut einsehbare Nordwestseite des vorgelagerten Kopfs und führt oben südseitig auf den höchsten Punkt. 

 

Wer mag, kann die Mittlere Arnspitze auch nordseitig auf gut sichtbarem Steig umgehen (Steig im Vordergrund, nicht der Steig hinten im Latschengürtel).

 

Nordwestseitiger Zustieg. Wie Rainer schon richtig festgestellt hat, ist hier bei der Erstbegehung Intuition gefragt. Ich steige rechts die Felsen hoch und dann mehr oder weniger flach auf schmalem Absatz hinüber zu den kleinen Latschen. 

 

Hier bei der kleinen Latsche, unten das schmale, schottrige Band, auf dem das abschüssige Gelände gequert wird. Das Gelände ist steil und ausgesetzt, aber technisch unschwierig.

 

In eine kleine Verschneidung, nun wieder in festerem Fels. 

 

Ich halte mich an die zahlreichen Berichte über diese Tour und verlasse die Verschneidung auf halber Höhe bei diesem Felsabsatz. 

 

Dahinter auf einem Band und über weitere Absätze aufwärts (max. I).

 

Hinüber zum Gipfelaufbau und über die schöne, südseitige Felspartie (II) ... 

 

... zum Gipfel der Mittleren Arnspitze (2.071m). Hier ist aufgrund der erhöhten Schwierigkeit lt. Gipfelbuch deutlich weniger Verkehr als auf den anderen beiden Gipfeln. Trotz der geringeren Höhe ist der Fernblick ins Karwendel & co. aber nicht minder beeindruckend.

 

Tiefblick auf das Anstiegsgelände. 

 

Rückblick auf die Arnplattenspitze, rechts daneben die Gehrenspitze (2.367m) und ganz rechts Leutascher Dreitorspitze (2.682m) und Öfelekopf (2.478m), allesamt wunderbare Wetterstein-Gipfel. 

 

Zoom auf die eindrucksvollen Platten.

 

Nun folgt der zweite Teil der Gratüberschreitung, hinüber zur Gr. Arnspitze. 

 

Dazu südseitig das kleine Wandl wieder abgeklettert (II) und dieses Band ostwärts verfolgen.

 

Es gilt, diese etwas exponierte Rinne abzuklettern.

 

Mit Vorsicht und dank festem Fels macht die Rinne keine gröberen Probleme. 

 

Man landet in einem kleinen Kessel auf einem Schrofenhang. Diesen weiter abwärts ... 

  

... zum "bösartig aussehenden Band" (AVF Wetterstein). Es gibt keine andere Möglichkeit, um zum Grat zurückzugelangen.

 

Recht exponiert hantelt man sich an guten Griffen und mit Tritten auf Reibung über diese Stelle (II). 

 

Bei der Latsche steigt man auf den Grat in die 'Enge Scharte' herab. Hier Rückblick auf das Band (oben bei den gelben Einlagerungen), rechts außen erkennt man den Umgehungssteig.

 

 Nach der engen Scharte folgt ein einfacherer Aufschwung (I). 

 

Der Grat wird gutmütiger und man kann das Karwendel-Panorama auf sich wirken lassen - kein Da Vinci oder Picasso könnte für mich schöner sein.

 

Im Vordergrund noch der eine oder andere zu kletternde Gratbuckel, danach mehr und mehr in Gehgelände übergehend.

 

Rückblick auf Mittlere Arnspitze (links) und Arnplattenspitze (rechts).

 

Den letzten Aufschwung zur Gr. Arnspitze kann man entweder rechts am markierten Weg oder links direkt über die Felsen nehmen (I+).

 

Am höchsten Punkt der Gr. Arnspitze (2.196m) mit der Vermessungsstange. 

 

Gegenüber der etwas niedrigere Kreuzgipfel, der Signalgipfel ist von Mittenwald nämlich nicht sichtbar. Rechts der Westteil der Nördlichen Karwendelkette.

 

Der begangene Grat über die Arnspitzen. Ohne allzu große Hektik, aber auch ohne lange Pausen, habe ich ca. 2h dafür gebraucht. 

 

Ein traumhafter September-Abend. 

 

Unschlagbare Übersicht über das Karwendel: unten Scharnitz, links der Karwendelhauptkamm mit der Hinterautalkette, mittig die Gleirsch-Halltal-Kette, rechts die Inntalkette. 

 

Besonderer Hingucker: links der Hohe Gleirsch (2.492m), rechts der Gr. Katzenkopf (2.531m), dazwischen der Barthgrat und die Jägerkarspitzen.

 

Wenn man hinüber zum Kreuzgipfel will, muss man relativ steil in eine Scharte absteigen - ist nicht zu unterschätzen. 

 

Gr. Arnspitze Kreuzgipfel, rechts vorne die Wettersteinwand (2.484m)

 

Vom Kreuzgipfel hat man einen noch schöneren Blick nach Norden, u.a. zum vorgelagerten Riedberg mit den Achterköpfen, auf Mittenwald und die Soierngruppe.

 

Am selben Weg wieder hinüber zum höchsten Punkt. 

 

Noch ein paar Minuten die Aussicht genossen und dann am markierten Weg abwärts. 

 

Eine brüchige Rinne abwärts. 

 

Viel rutschiges Geröll. Unschwierig, aber etwas mühsam. 

 

Langsam bricht der Abend an. Etwas noch abwärts zur ...

 

... schön gelegenen Arnspitzhütte (1.930m). 

 

Kurz hoch auf den Kamm, ich muss nämlich zurück zum Hohen Sattel, der kleinen Wiesenfläche in Bildmitte. 

 

Abstieg ...

 

... durch die fast kahle Südflanke. Ursache ist ein großer Waldbrand vor über 70 Jahren, es braucht sehr lange bis die Vegetation wieder Fuß fassen kann. 

 

Arnplatten- und Mittlere Arnspitze nun von Süden. 

 

Die Südflanke ist an manchen Stellen steil und nicht zu unterschätzen, überall loses Geröll. Hier sind leider schon schwere Unfälle passiert. 

 

Die Route führt mit einem großzügigen 'Umweg' zurück zum Hohen Sattel. Es dürfte hier keinerlei Abkürzungsmöglichkeit und somit auch keinen direkten Steig hinunter nach Gießenbach geben. 

 

So wandere ich im unteren Teil ganz entspannt über die Reisen ... 

 

... und durch den Wald ... 

 

... am Fuß der Arnplattenspitze ... 

 

... zum Hohen Sattel. 

 

Ein toller Berg, diese Arnplattenspitze.

 

Am Steig wieder retour in die Sattelklamm.

 

Die wilden Nordabstürze der Hochfluder bleiben in sicherem Abstand. 

 

Joggend lege ich die letzten Kilometer nach Gießenbach zurück. Wenn man sich etwas mehr Zeit als ich lässt, sollte man für diese Tour schon mindestens 7-8 Stunden einplanen. In jedem Fall kommt hier der Genussbergsteiger mit Hang zur leichten Felskletterei voll auf seine Kosten, besonders an einem Wochentag bei so fantastischem Wetter.

 


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Kommentare: 3
  • #1

    Rainer (Samstag, 29 September 2018 13:52)

    Bärige, abwechslungsreiche Tour Jürgen, kann ich bestätigen,
    Berg Heil!

  • #2

    Ralf (Montag, 08 Oktober 2018 17:19)

    eine tolle Tour, die wir mit dem <a href="https://www.via-ferrata.">Klettersteig</a> Team auch erst vor kurzem gemacht haben

  • #3

    Ralf (Montag, 08 Oktober 2018 17:20)

    eine tolle Tour, die wir mit dem <a href="https://www.via-ferrata.de">Klettersteig</a> Team auch erst vor kurzem gemacht haben