Monte Roen

2116 Meter

Nonsberggruppe

14. August 2017

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Vom Etschtal auf den Roen gibt es eine Light- und zwei Full-Varianten: erstere mit Anfahrt zum Mendelpass (1.363m) und gemütlicher Almwanderung. Oder direkt von ganz unten von Tramin (223m) oder vom Kalterer See (214m). Vom See aus am besten mit MTB durch die Weinberge nach Kaltern (430m) und bis Pkt. 980m beim Ende des Fahrwegs. Weiter über den Göllersteig (Weg Nr. 523) zur Überetscher Hütte (1.773m) und am Klettersteig zum Gipfelplateau, zuletzt am einfachen Steig zum Roen (2.116m). Abstieg nach Süden zum Schwarzen Kopf / Testa Nera (1.960m) und am Gamssteig (Nr. 560) retour zur Hütte. Ab- wie Aufstieg. 

 

Schwierigkeitsgrad: mittelschwierig (T4+, Klettersteig B)

Die Tour ist mit ziemlich genau 2.000 Höhenmetern bis zum Gipfel konditionell fordernd. Schmale, teils ausgesetzte Steige im oberen Teil. Klettersteig bis B.

 

Dauer: 6 Stunden

Höhenmeter: 2.050 Meter

 

Parkplatz:

Am Kalterer See.

 

Einkehrmöglichkeiten:

Überetscher Hütte / Rif. Oltradige al Roen
 

Landschaft:  ******** (8/10)

Kondition:   ********* (9/10)

Anspruch:        ******* (7/10)



Hoch über dem Südtiroler Etschtal mit Bozen und dem Kalterer See - der Roen ist eine meiner Lieblingstouren am Mendelkamm. 

 

Die Gegend um den Kalterer See steht im Zeichen des Weins. Etwas Zurückhaltung ist am Vortag aber nötig, will man frühmorgens die fast 2.000 Höhenmeter auf den Roen in Angriff nehmen. Alternativ könnte man das Ganze auch gemütlicher angehen und vom Mendelpass auf über 1.300m starten. 

 

Der Mendelkamm ist dicht bewaldet, erst ab 1.700m wird es felsiger. Mittig der Göller (1.653m), an dessen Nordseite der Göllersteig als schattiger Waldpfad hinauf führt, rechts oberhalb der Paterkopf (1.856m), auf den ich vom Roen später hinabblicken werde. Dazwischen das Taurisjoch (1.506m), ab diesem wird die Tour etwas anspruchsvoller. 

 

Ich nutze für die Zufahrt jedenfalls mein Bike und fahre zuerst auf ruhigen Nebenstraßen hinauf nach Kaltern (430m). Von Kaltern könnte man auf der stärker befahrenen Straße zum Mendelpass (1.362m) fahren, ich nehme heute jedoch einen der zahlreichen Forstwege. 

 

Raddepot auf rd. 970m, dann dem Göllersteig auf schattigem Waldpfad folgend weiter aufwärts. Das Gebiet bietet viele Wanderungen, die im Hochsommer aber eher wenig frequentiert sind.

 

Ausblicke auf das Überetsch mit Eppan sowie in das Bozner Becken, dahinter die Sarntaler Alpen. 

 

Nach dem Taurisjoch (1.506m) wird der Göllersteig schmäler. Hier ist an manchen Stellen Trittsicherheit erforderlich (T3). 

 

Es geht hinauf in die Felsarena unterhalb des Roens. 

 

Zur Überetscher Hütte (1.773m).  

 

Schon hier ist man ca. 1.500m höher als das Etschtal, nach Osten würde man bei guter Sicht weit hin in die Fleimstaler Alpen zum Lagorai sowie in die Pala-Dolomiten blicken. 

 

Nur wenige Minuten dauert es bis zum Einstieg in den Klettersteig. 

 

Die Ferrata ist Teil des Wegs Nr. 523. Retour nehme ich dann den Gamssteig (Nr. 560). 

 

Ein Stück rauf durch die Latschen zum Einstieg. 

 

Schönes alpines Gelände, würde man von unten gar nicht vermuten. Links vorne in den Wolken der Schwarzkopf, von dem ich später unter den Felsen wieder herüberqueren werde.

 

Rückblick auf den Paterkopf, von der Überetscher Hütte oder der nur 15 Minuten entfernten Malga die Romeno einfach zu erreichen.

 

Brüchig-schottriger Einstieg, alles gut versichert (A). 

 

Weiter hinauf zur Schulter. 

 

Hart an der Felswand auf schmalem Band hinüber. Der Steig ist technisch nicht schwierig, es passieren aber leider immer wieder schwere Unfälle.

 

Eine Selbstsicherung wird jedenfalls empfohlen. 

 

Nach der Schulter ändert sich der bröselige Charakter und man kann über festen Fels in einer Rinne weiter steigen. 

 

Die Schlüsselstelle ist diese 5m hohe Wand, mit Sicherung B, ohne Sicherung III. 

 

Schöne Optik, da sich die Rinne in der Verlängerung des Höllentals befindet. Unten Tramin, von wo man die Tour auch in Angriff nehmen könnte.

 

Noch ein bisschen unschwierige Kletterei (A/B). 

 

Ausstieg ...

 

... am Plateau mit einem schönen Blick nach Westen in das Nonstal. Bei klarer Sicht reicht der Fernblick vom Ortler über Adamello bis in die Brenta.

 

An der Kammkante fädelt man in den Steig ein, der vom Mendelpass herüber kommt. Von hier sind es nur wenige Minuten zum höchsten Punkt. 

 

Tiefblick auf Überetscher Hütte und Paterkopf. 

 

Nach Westen fällt der Kamm sehr flach ins Nonstal ab. Vorne rechts schneidet sich - hier verdeckt - der Mendelpass in den Mendelkamm ein, dahinter Penegal (1.738m) und Gantkofel (1.868m).  

 

Fast 2.000 Höhenmeter über dem Etschtal, der Kalterer See wird durch den Göller verdeckt. Der Göllersteig führt links vom Gipfel hinab Richtung Kaltern. 

 

Am Roen (2.116m) ist im Sommer immer etwas los. Leider heute keine Sicht auf die Brenta. Ein paar Tage später konnte ich mir dieses fabelhafte Gebirge auf meiner Tour auf die Cima Brenta aus der Nähe ansehen.

 

Diverse Optionen: entweder nach Norden zum Mendelpass, am Klettersteig retour zur Überetscher Hütte, oder zuerst nach Süden Richtung Corno di Tres. Ich wähle letzteres. 

 

Das Gipfelkreuz des Roen steht nicht am höchsten Punkt. 

 

Dafür hat man von hier einen schönen Blick nach Süden über den weiteren Verlauf des Mendelkamms, u.a. den schönen Aussichtspunkt des Corno di Tres, das Nonstal und dahinter den Einschnitt des Lago di Molveno. Rechts davon würde die Brenta anschließen.

 

Schlaue Taktik. 

 

Abstieg vom Roen. 

 

Sehr aussichtsreiche Wanderung, die man am Mendelkamm stundenlang nach Süden fortsetzen könnte. 

 

Es dauert nicht lange bis zum Schwarzkopf / Testa Nera (1.960m), nicht minder aussichtsreich.

 

Der Wegweiser meint 50 Minuten hinüber zur Überetscher Hütte am Gamssteig, den Warnhinweis auf erhöhte Schwierigkeiten sollte man ernst nehmen. 

 

Links vorne die Überetscher Hütte. 

 

Der Gamssteig quert die mächtige Ostflanke des Roen. 

 

Gelegentliche Steinmänner. 

 

Teilweise versichert, da schmal und bröslig. 

 

Und dann die sehr interessante Stelle mit dem rötlich-braunen Sand. 

 

Schaut von weitem zuerst furchteinflößend aus, das Band ist aber überall breit genug. Das Farbenspiel ist ein echtes Erlebnis.

 

Rückblick auf den Schwarzkopf - ganz links ist das Gipfelkreuz schwach zu erkennen. Rechts der wilde Turm ist nicht der Roen, sondern eine optische Täuschung, da nur ein kleinerer vorgelagerter Felszacken. 

 

Hier wieder fast bei der Überetscher Hütte. Wer wie ich aus dem Tal angestiegen ist, kann über den Göllersteig steil nach Kaltern oder zum See absteigen (oder alternativ auch über das Höllental nach Tramin); wer vom Mendelpass gestartet ist, kann oben am Kamm zurückwandern.

 

Ich gehe über das Taurisjoch zurück zum Rad und fahre über einige interessante Trails in die Hitze zurück. 

 

Rückblick zu Göller und Paterkopf, den Roen-Gipfel sieht man vom See leider nicht. 

 

Egal, nach so einer Tour über mehr als 2.000 Höhenmeter freue ich mich auf den Sprung in den Kalterer See! Die Runde kann ich als willkommene Abwechslung zum Sonnenbraten nur weiterempfehlen.

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Steffen (Donnerstag, 30 Mai 2019 20:48)

    Klasse Eintrag. Wir sind heute ohne Ausrüstung die Tour rückwärts gewandert. An der Stelle mit dem rötlich-braunen Sand war dann aber für uns Schluss. Zu schmal und kaum halt mehr mit den Schuhen. Hier wäre es dann nur noch nach unten gegangen und das möchte niemand.