Psiloritis / Timios Stavros, Kreta

2.456 Meter

Griechenland

11. Juni 2019

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Als höchster Gipfel Kretas hat der Psiloritis (2.456m) mit seiner Gipfelkapelle (Timios Stavros) große Anziehungskraft für Bergtouristen. In der griechischen Mythologie wird das Massiv als der Geburtsort des Göttervaters Zeus bezeichnet. Im Gegensatz zu den abgeschiedenen Lefka Ori im Westen ist das im zentralen Teil der Insel gelegene Ida-Gebirge von diversen Seiten zugänglich, und so gibt es auf den Psiloritis diverse unschwierige Routen unterschiedlicher Länge. Wir wählen den von der Nordküste am leichtesten erreichbaren Zustieg vom Migerou Refuge (1.570m), das auf einer gut ausgebauten Bergstraße vom Bergdorf Livadia erreichbar ist. Im Abstieg erklimmen wir auch noch den gegenüberliegenden Agkathias (2.424m).

  

Schwierigkeit: wenig schwierig (T2)

Einfache Bergwanderung. Von der Hütte anfangs auf gepflastertem Pfad, oben auf gutem Bergweg zum Gipfelkamm. Achtung im Frühling auf nordseitige Schneefelder, die in leichter Kletterei (I) umgangen werden können.

       

Dauer: 3:30 Stunden

Höhenmeter: 950 Meter

 

Landschaft:  ********* (9/10)

Kondition:              **** (6/10)

Anspruch:                *** (3/10)



Alleine am höchsten Punkt Kretas, dem Psiloritis (2.456m) im Ida-Gebirge.

 

Zu nachtschlafener Zeit rücke ich wieder mit dem Mietwagen aus und fahre in das Inselinnere Richtung Ida-Gebirge. Für die kurvigen Bergstraßen ist schon etwas Zeit einzukalkulieren.

 

Nachdem ich zwei Tage zuvor eine äußerst stürmische Erfahrung auf dem Kastro in den Lefka Ori, den Weißen Bergen, gemacht habe, hoffe ich heute auf gutes, windstilles Wetter auf dem Psiloritis in Zentralkreta.

 

Zwei Bergstraßen führen von Norden an den Psiloritis heran - natürlich nehme ich die falsche und muss wenige hundert Meter Luftlinie vor dem Parkplatz mit meiner gemieteten Fiat-Schüssel auf einem immer schmäler werdenden Steinpfad kapitulieren. Also 10 km und gefühlte 200 enge Kurven zurück und dann auf die richtige, dank EU-Förderung äußerst großzügig ausgebaute Straße.

 

Kurz nach 7 starte ich vom leeren Parkplatz beim Refuge Lakos Migerou (1.570m).

 

Der Anstieg von Norden ist zwar nicht jener mit dem höchsten Ausgangspunkt und vielleicht auch nicht der abwechslungsreichste, aber von der Horizontaldistanz der kürzeste. Kaum 4,5 Kilometer und 950 Höhenmeter sind zurückzulegen - ohne zu hetzen ist das für geübte Geher also in unter 2 Stunden zu schaffen.

 

Schönes Karstgelände im Rückblick zur Hütte. 

 

Schräg nach links die Flanke hinauf. Hier ist es sicherlich touristischer als in den Lefka Ori, der Pfad ist im unteren mit glatten Steinplatten ausgelegt. 

 

 

Herrlich heute! Kein Wind, kein Nebel. 

 

5 Minuten später. 

 

Für mich als wetterinteressierten Bergsteiger ist es beeindruckend, wie schnell sich die Verhältnisse hier ändern können. Zum Glück verzieht sich der Nebel fast so rasch wieder, wie er gekommen ist.

 

Auf etwa 2.000m Höhe, in der Nordflanke noch ausgiebige Schneefelder, der Gipfel des Psiloritis ist der runde Rücken rechts.

 

Auf 2.250m erreiche ich einen kleinen Sattel, wo von Osten der Europäische Fernwanderweg E4 einmündet, dem ich auch schon in den Lefka Ori ein Stück gefolgt bin. Auf dieser Route von Osten her erfolgt auch der längere Anstieg vom Nida-Plateau. 

 

Vorfreude auf eine prächtige Aussicht von dort oben.

 

Ab dem Sattel führt der Steig etwas steiler bergan und dann etwas unterhalb der Kammhöhe durch die Nordflanke.

 

Tiefblick zum Ausgangspunkt.

 

Man folgt den schwarz-gelben Pfeilen oder den roten Doppelpunkten.

 

Blick nach Osten. Deswegen steht man im Urlaub so früh auf, weil die Eindrücke doch völlig andere sind als zu Hause.

 

Es kommt wie es kommen musste: ein steiles Schneefeld versperrt für kaum 20 Meter den Weg, rechts pfeift es ordentlich runter. Das sind die Stellen, die so manchem schlecht ausgerüsteten Ferienwanderer zum Verhängnis werden können.

 

Hatte zwar meine Grödel mit, doch genussvoller war die Umgehung oberhalb durch leichte Kletterei (I). 

 

Danach ohne Schwierigkeiten am breiten Kamm weiter.

 

Die Schafe habens hier nicht so mit Frühaufstehern.

 

Abermaliger Blick zurück, in Bildmitte das nordseitige Schneefeld, das sich nach unten im Steilgelände fortsetzt.

  

Auf der letzten Kuppe vor dem Gipfel. 

 

Was auch immer hier einmal angeschrieben war!?

  

Letzte Meter zum Gipfel nach ca. 1:30h, kein Mensch weit und breit.

 

Ankunft am höchsten Punkt Kretas bei Gipfelkapelle, -glocke, -kreuz und -schild (2.456m).

 

  

Imposante Wolkenstimmung über dem nordwestlich vorgelagerten Stolistra (2.325m). 

 

Kretas Südküste von oben. Rechts der Khedros Oros (1.777m), auch einer der markanteren Berge in Zentralkreta. Die afrikanische Küste ist über 300 Kilometer entfernt.

 

Blick nach Süden in die Messara-Tiefebene. 

 

Reliquien in der Gipfelkapelle.

 

Lefka Ori im Westen, der Kastro (2.219m) rechts der Bildmitte, überragt vom etwas höheren Pakhnes (2.453m) und Konsorten. 

 

Ich hatte keine Eile und nahm mir ausgiebig Zeit, das Panorama aufzusaugen. Ganz im Osten erahnt man das Dikti-Gebirge, der Blick nach Norden war durch Wolken eingeschränkt.

 

Abstieg. 

 

Tiefblick zur Migerou-Hütte. 

 

Mit etwas Gegenanstieg zum Agkathias (2.424m). 

 

Landschaftlich schon etwas Besonderes, hier Richtung Osten hinab zum Nida-Plateau.

 

   

Weiterer Abstieg zurück zum Sattel. Das Abfigeln am kretischen Sommerschnee habe ich am Kastro schon geübt.

  

  

Alte Skispuren. 

 

Da unten kommen mir drei Barfuß-Wanderer entgegen.

 

Ich lass lieber die Schuhe dran.

 

Im leichten Lauftempo runter, Rutschgefahr im losen Geröll bzw. weiter unten auf den glatten Steinplatten.

 

Zurück bei der Hütte. 

 

Alles da, was man braucht.

 

3:30h hat die Wanderung gedauert, mit Blick auf die eindrucksvolle Nordflanke des Stolistra nehme ich den Rückweg zur Nordküste in Angriff.

 

Mit diesen landschaftlichen Eindrücken geht der Kreta-Urlaub zu Ende. Es würde mich schon reizen, im Frühjahr auf den höheren kretischen Bergen mit Ski unterwegs zu sein, die Kombination Skitour und Strand klingt verlockend.

 


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