Jägerkarlspitze

2470 Meter

Karwendel

13. Oktober 2019

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Überschreitung der Jägerkarlspitze von Ost nach West, im Schatten der Jägerkar- und Praxmarerkarspitzen in der Gleirsch-Halltal-Kette: von Scharnitz (955m) mit Bike in das Gleirschtal, an der Möslalm (1.262m) vorbei ins Samertal und zum Raddepot beim Kreidenegg (1.330m). Zu Fuß zum Einstieg des Jägerkars (1.470m) und am Jagdsteig hinüber ins Jägerkarl (ca. 1.900m). Zurück in den hinteren Karboden und durch die Schlucht in der Südostwand auf die Jägerkarlspitze (2.470m). Abstieg am Westgrat zur Jägerkarscharte (2.285m) und in das Jägerkar. Querung zur 'Porten' (1.825m), retour zum Raddepot und nach Scharnitz.

 

Schwierigkeitsgrad: sehr schwierig (T5/III)

Einfache Zufahrt ins Samertal und Zustieg ins Jägerkar, es gilt den Jagdsteig und die Abzweigung ins überaus einsame Jägerkarl zu finden. Einstieg in die Südostwand mit einer Stelle III im unteren Schluchtbereich, sonst II und leichter, oberer Schrofenhang T3. Abstieg am Westgrat sehr brüchig, kaum Kletterfeeling (T5/je nach Route I-II).   

 

Dauer: 8:00 Stunden

Höhenmeter: 1.760 Meter

 

Parkplatz:

B2 bei Scharnitz.

 

Einkehrmöglichkeiten:

Möslalm

 

Landschaft: ********* (9/10)

Kondition:     ******** (8/10)

Anspruch:      ******** (9/10)



Im Schatten der mächtigen Praxmarerkarspitzen liegt die Jägerkarlspitze eher unscheinbar in der Gleirsch-Halltal-Kette. Mit der Variante über das einsame Jägerkarl ergibt sich eine kecke Überschreitung.

 

Mitte Oktober, die erste Stunde fahre ich in dunkler Nacht von Scharnitz hinein ins Karwendel, im Samertal kann ich die Stirnlampe ausschalten. 

 

Auch bei der Möslalm (1.262m) brennt schon Licht. Zu sehen ist um diese Uhrzeit aber noch niemand.

  

Ich parke meinen Drahtesel beim Kreidenegg. Die 140 Höhenmeter bis zum Einstieg ins Jägerkar gehe ich zu Fuß, um mir den unnötigen Gegenanstieg am Forstweg zu ersparen.

 

Ortskenntnis sei Dank, der gut ausgeprägte Jägersteig ist schnell gefunden. 

 

Das wunderbar symmetrische Jägerkar vor der Kulisse des Niederbrandjochs.

 

Nach ca. 400 Höhenmetern gilt es Ausschau nach der Latschengasse hinüber ins Jägerkarl zu halten.

 

Grandioser Herbsttag. Drüben die Erlspitzgruppe mit ihren speziellen, aus der besonderen Plattenschichtung entstehenden Formen.

 

Der Entdeckergeist erwacht, im Jägerkarl war ich bisher noch nie. Bis auf meine von der Nordkette geschossenen Fotos und einer Routenskizze im 78er AVF hatte ich keine gesicherten Informationen über die heute gewählte Route.

 

Im Jägerkarl ein paar Steigspuren, ein Steinmanndl und viel Schotter. Links baut sich der Südgrat der Jägerkarl auf, nicht ohne IV zu haben.

 

Schaut mühsamer aus als es war.

 

Im allseits von steilen Wänden umgebenen Jägerkarl, hier kommen vermutlich nicht viele Menschen vorbei. Diejenigen, die das doch tun, dürften den Süd- oder Südwestgrat der Praxmarerkarspitzen anvisieren. Auf meine Zustiegsrinne leiten keinerlei sichtbare Steigspuren hin.

 

Oben der angesprochene IVer Aufschwung auf die Jägerkarlspitze.  

 

Schaut relativ unübersichtlich aus. Die im AVF erwähnte Schlucht ist etwas rechts der Bildmitte zu finden und von dieser Position noch nicht einsehbar.

  

Karwendelschotter im Aufwärtsgang ist eine Wissenschaft für sich. 

  

Dies ist der Einstieg bei ca. 2.240m, kein Steinmann zu sehen. Der AVF spricht von II - hmm, wird sich nur schwer ausgehen. In jedem Fall wartet ein schön sonniger Durchstieg.

 

Nach der ersten Stufe prägt sich eine breitere Rinne aus. Einzelne einfache Stufen und dann ... 

 

... brauche ich doch ein paar Minuten um über die kleingriffigen, im oberen Teil leicht ausgesetzten oberen Stufen drüberzukommen. Ein Zug ist mit III zu bewerten.

 

Rustikal geht es weiter, der Fels ist überraschend gut und besser als es die Berichte vom Westgrat nahelegen.

 

Im Rückblick kommt die allgemeine Steilheit gut zur Geltung.

 

Es bleibt im I-IIer Bereich, das Gelände lehnt sich noch nicht zurück.

 

So schön es im Aufstieg ist, runter wirkt es eher gruselig.

 

Na also :)

 

Erste Grasbüschel kündigen die Schrofen im oberen Teil an.

 

Kein Grund, verzwickt zu schauen. Beste Verhältnisse und wunderbares Kraxeln in völlig einsamer Umgebung.

 

Weit kanns nicht mehr sein, rechterhand der markante, zerklüftete Gratturm unterhalb des westlichen Vorgipfels der Praxmarerkarspitzen.

 

Noch ein bisschen rauf und der Schrofenhang in der südöstlichen Gipfelflanke gibt sich zu erkennen. Dieser ist erheblich leichter als die Grattürme oberhalb. 

 

T4 im Wechsel mit I, neben den Schneeflecken ging es problemlos aufwärts. Im Hintergrund die von oben recht abweisend wirkende Aufstiegswand.

 

Auf der Jägerkarlspitze (2.470m) mit dem Gipfelast - schön hier zu sein, besonders auf dieser mit Sicherheit wenig begangenen Route. Ein gute Wahl heute unter 2.500m zu bleiben, wie der Blick auf den eingeschneiten Karwendel-Hauptkamm zeigt.

 

Beeindruckend der Blick auf die Westliche Praxmarerkarspitze. Der Grat dürfte ein paar anspruchsvolle Schmankerl beherbergen, lt. AVF III.

 

Der Föhn drückt ein paar Böen herüber, es war aber gut auszuhalten.

  

Famoses Massiv der Jägerkarspitzen.

 

In den Berichten zur Jägerkarl ist immer vom Westgrat die Rede, dieser schaut in der Tat nicht sehr einladend aus.

 

Das Highlight ist dieser 'Felswächter'.

 

Ansonsten viel Schutt, viel Bruch, außerdem war ich zuweit rechts und somit unnötig steil unterwegs.

 

II, von hier musste ich etwas umständlich durch eine schneegefüllte Rinne.

 

Der Grat läuft dann etwas flacher aus.

 

Der anspruchsvolle Ostgrat hinauf zur Nördlichen Jägerkar.

  

Westgrat, bzw. eher Westflanke im Rückblick.

 

Ich passiere den neben dem Lafatscher Joch einzigen möglichen Übergang der Gleirsch-Halltal-Kette, eine brüchige, von der Hinterödalm heraufziehende Rinne.

 

Hunderte Male schon gesehen, Höhen und Tiefen durchlebt, alle Emotionen wie Zufriedenheit, Angst und Freude in höchstmöglicher Intensität wahrgenommen - das Karwendel ist einfach etwas Besonderes.

 

Ein Ausweichen in die Nordseite nimmt man bei Schnee nur ungern an, muss aber dann doch sein.

 

Ich nähere mich der Jägerkarscharte.

 

Von dieser ist definitiv kein Abstieg hinab zu den Hinterödreisen möglich.

 

Den Abstecher zum Hinterödkopf spare ich mir, bei Interesse verweise ich auf den Bericht von Rainer

  

Völlig gegensätzlich zum engen, schattigen Jägerkarl präsentiert sich der große Bruder, das Jägerkar. Ein Karl ist übrigens das Diminutiv von Kar, also eine Verniedlichung/Verkleinerung. 

    

Über Schrofen abwärts ... 

 

... zu einem felsigen Durchschlupf (kaum I).

 

Beeindruckende Dimension des Jägerkars.

 

Rückblick auf die Jägerkarscharte.

 

Nach vollbrachter Überschreitung etwas horizontales Gedankenschweifen. Bevölkerungsdichte in meinem Umkreis: vermutlich 1 / km² und damit wesentlich weniger als in dem Flächenstaat mit der weltweit geringsten Bevölkerungsdichte, der Mongolei (1,9 Menschen pro km²).

 

Der verbleibende Abstieg durch das Jägerkar ist trivial. Ich möchte noch den 'Porten' einen Besuch abstatten und quere auf Steigspuren nach rechts hinüber zu dem klein erkennbaren Grasplateau.

 

Schmal und über wenige Meter leicht ausgesetzt (T5).

 

Prächtige Jägerkarlspitze. 

 

Bei der Porten (1.825m), hier bin ich schon bei meinem Abstieg vom Gr. Katzenkopf vorbeigekommen.

  

Die Pfeis richtet sich auch langsam für den nahenden Winter ein, rechts oben das Gleirschtaler Brandjoch, links hinten der Rosskopf und die Stempeljochspitzen.

 

  

Auf Wiedersehen, schönes Jägerkar.

 

Etwas Fußmarsch durch das Samertal ...

 

... und dann die Bikefahrt zurück im schönsten Herbstlicht.

 

Der vertraute Gegenanstieg bei der Isar gehört natürlich auch dazu. Eine wunderschöne Entdecker-Tour auf einen der unscheinbaren Zacken in der Gleirsch-Halltalkette, die ich ohne alten AVF so nicht unternommen hätte.  

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0