Kaskarspitze - Sonntagkarspitze

2580 / 2575 Meter

Karwendel

26. Oktober 2018

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Von Thaur (830m) mit MTB zur Thaurer Alm (1.464m) und am Karrenweg bis nahe des Thaurer Roßkopfs (Raddepot, 1.540m). Am Steig weiter zum Kreuzjöchl (2.120m). Abstieg zur Pfeishütte und noch ein Stück hinab, bis auf 1.840m der markierte Steig zur Kaskarspitze abzweigt. Oberhalb des Steilabbruchs in das weite Kaskar, in den hinteren Karboden und über breite Bänder und eine kurze Rinne zur Kaskarspitze (2.580m). Ostwärts über den brüchigen Grat, einige Türme südlich umgehend, zur tiefsten Scharte und über mehrere Aufschwünge zur Sonntagkarspitze (2.575m). Nach Süden am Normalweg in das Sonntagskar, retour zur Pfeishütte bzw. zum Kreuzjöchl und via Thaurer Alm zum Ausgangspunkt. 

 

Schwierigkeitsgrad: sehr schwierig (T5/III)

Die Tour ist lang und selbst bei flottem Tempo aus dem Inntal kaum in unter 8 Stunden zu machen. Anstieg am Normalweg zur Kaskarspitze markiert T4/I. Gratbegehung anfangs wenig schwierig, aber von Anfang an sehr brüchig (T5/Stellen II). Nach der tiefsten Scharte mehrere Steilaufschwünge (einmal III, einmal II+, diverse IIer). Abstieg am Normalweg von der Sonntagkarspitze T4/I, im unteren Teil sehr steile Schrofen (Trockenheit!). 

 

Dauer: 8:15 Stunden

Höhenmeter: 2.410 Meter

 

Parkplatz:

Wanderparkplatz Thaur.

 

Einkehrmöglichkeiten:

Thaurer Alm

Pfeishütte

 

Landschaft:  ********** (10/10)

Kondition:      ********* (9/10)

Anspruch:        ******** (8/10)



Verlängertes Wochenende, Nationalfeiertag, das feiert man doch am besten auf der Sonntagkarspitze (2.575m) in der Gleiersch-Halltal-Kette im Karwendel. Dahinter der scharfe Grat herüber von der Kaskarspitze (2.580m). Eine mehr als würdige Karwendel-Abschlusstour für 2018, tags darauf wird hier einiges an Schnee liegen.

 

7:15 Uhr, Dämmerung am Thaurer Wanderparkplatz (830m).  

 

Routine macht klug. Mit 2.400 Höhenmetern in den Beinen werde ich 8 Stunden später mehr als froh um das Rad sein. Die MTB-Strecke zur Thaurer Alm ist in jedem Fall lohnenswert, im oberen Teil aber zum Teil sehr steil. 

  

Herbst, die beste Zeit für Bergtouren! Sonnenaufgang über dem Inntal. 

 

Eine starke Stunde brauche ich für die 630 Höhenmeter zur Thaurer Alm (1.464m). Danach Schiebestrecke am steilen Karrenweg bis zum im Hintergrund sichtbaren Thaurer Roßkopf (1.574m) - dem "Quickie mit viel Aussicht" (c) Roman, Master of all Touren-Quickies :)  

 

Oberhalb des Thaurer Roßkopfs richte ich mein Raddepot ein, wo mich ein flotter Kollege überholt. Hier bin ich bereits am Steig hinauf zum Kreuzjöchl, immer die Rumer Spitze (2.454m) vor Augen. Wunderbarer Herbsttag, bevor morgen der Himmel seine Schleusen öffnet. 

 

Drüben die Zunterköpfe - ebenso sehr lohnenswerte Roman-Quickies. Links im Hintergrund Gr. Bettelwurf und Fallbachkarspitze, typische Jürgen-Slowlies.

 

Ich genieße jeden Schritt. Die ersten 1.000 Höhenmeter sind geschafft, noch ist es aber ein weiter Weg bis zu meinen Gipfelzielen.  

 

Vorbei am 'Hahle-Wand-Bankl', dann versichert eine Geländestufe hinauf. 

 

Blick nach Innsbruck, am Kreuzjöchl (2.120m) wechsle ich in die ... 

 

... Ruhe der Pfeis. Jetzt muss ich fast 300 Höhenmeter absteigen. Vorne die Gleiersch-Halltalkette, links Katzenkopf (2.531m), Barthgrat und Jägerkarspitzen, links der Bildmitte die Praxmarerkarspitzen (2.638m). Rechts anschließend meine beiden heutigen Ziele: Kaskar- und Sonntagskarspitze - letztere sind Roman und ich einmal von Rum aus angegangen, auf der Kaskar war ich aber noch nie. 

 

Die Kaskarspitze (2.580m) ist besonders schön anzusehen. Nicht zu glauben, dass dieser Berg über einen markierten Normalweg wenig schwierig zu erreichen ist. Man könnte auch über den ungleich schwierigeren Südgrat (IV) ansteigen, oder von Westen über den Grat von den Praxmarerkarspitzen (III+). 

 

Die Ende Oktober geschlossene Pfeishütte (1.922m), dahinter Gleirschtaler Brandjoch (2.372m)

 

Hinter der Hütte noch weiter am Fahrweg bergab, bei der Schotterreise nach links hinauf in die Sonne, wo man oberhalb der Steilwände in das Kaskar zusteigt. Von hier sind's etwas über 750 Höhenmeter zum Gipfel. 

 

Abzweig auf 1.840m, die Zeitangabe ist ziemlich übertrieben. 

  

Blick hinaus ins Samertal, rechts die Steilwände, die oberhalb umgangen werden. 

  

Bestens markiert und ohne Schwierigkeiten aufwärts. 

 

Die ins Samertal abbrechenden Wände sind ungangbar, eine ähnliche Situation hat man ja auch unterhalb des Gr. Katzenkopfs etwas weiter talauswärts. Lediglich das Rigel- und Jägerkar offerieren einen flachen Zustieg zum westlichen Teil der Gleiersch-Kette. 

 

Kurz vor dem Einstieg ins Kaskar.

 

Aspiranten der Praxmarerkarspitzen müssen hier weiter oberhalb der Latschen nach Westen ins Praxmarerkar queren. 

 

Für mich geht's hinein in das Kaskar, der Steig ist rechterhand in den Reisen leicht zu erkennen, links oben der Gipfel. Hier gibt's nochmals einen Wegweiser, Zeitangabe sage und schreibe 2:30h. Viel mehr als 1-1,5 Stunden braucht man bei normalem Gehtempo aber nicht für die letzten 600 Höhenmeter. 

 

Schottriger Zustieg am Rand des Kars. 

 

Auf der Rückseite der Inntalkette die mich tief beeindruckende Kumpfkarspitze (2.393m), dahinter Brandjochspitzen - Hohe Warte - Solsteine

 

Im hinteren Kar leiten die Markierungen auf breite Bänder. Rechts oben die Sonntagkarspitze und der auf sie zulaufende Westgrat. 

 

Ganz allein bin ich nicht. Die aus der Pfeis noch so wild aussehende Südflanke löst sich in breiten, in Serpentinen begehbaren Bändern auf. 

 

Eine kleine Rinne sorgt im oberen Teil für Abwechslung (I). 

 

Ausstieg zur Scharte unterhalb des Gipfels. Beim Gipfelkreuz bewegt sich zu meiner Überraschung was - es ist der Kollege, der mich 3 Stunden zuvor nahe des Raddepots überholt hat. 

 

Ziemlicher Zufall, der Kollege hat heute dieselbe Route wie ich im Auge. Wir beratschlagen kurz die Verhältnisse an den nordseitigen Passagen und werden uns drüben auf der Sonntagkarspitze nochmals treffen. Schönen Gruß, falls du das hier liest!

 

Um 11:30 bin ich auf der Kaskarspitze (2.580m), oben auf den letzten Metern unangenehmer Hartschnee. Sollte das heute wirklich die Karwendel-Abschlußtour 2018 sein - es ist ein mehr als würdiges Finale, und das Beste von heute kommt ja noch.

 

Im Westen die Praxmarerkarspitzen. Der Grat herüber zur Kaskarspitze ist lt. dem lesenswerten Bericht von Rainer eine lohnenswerte Geschichte (III+). Überhaupt ist die Überschreitung von den Praxmarerkarspitzen über meine heutigen Gipfel und weiter zu Hinterer Bachofenspitze - Roßkopf - Stempeljochspitzen eine Unternehmung, die schon eine Zeit lang als vager Plan herumgeistert.

 

Vorne die Nordseite der Rumer Spitze, links das Kreuzjöchl, wo ich heute früh in die Pfeis herübergeschlüpft bin. 

 

Der schwierige Abschnitt (III+) am Westgrat der Kaskarspitze. Die hier präsente Schnee-/Eisauflage ließ mich etwas überlegen, ob ich den Grat zur Sonntagkarspitze überhaupt angehen sollte. 

 

Die Kaskarspitze ist kein wirklich einsamer Gipfel, das GB zeugt von zahlreichen Besuchen. Sollte nun der Winter nachhaltig Einzug halten, werden heuer nicht mehr viele dazukommen. 

 

Es ist 11:50 Uhr, nun folgt die nächste Etappe: der Grat hinüber zur Sonntagkarspitze (2.575m), die von der dahinterliegenden Hinteren Bachofenspitze (2.668m) um fast 100 Höhenmeter überragt wird. Lt. AVF ist der Grat III, als Vorlage dient mir wiederum eine Dokumentation von Rainer. Es gibt für diesen Teilbereich des Karwendel generell mehr Information als für andere Gebiete.

  

Traumhaft, für mich ist das Karwendel an einem schönen Herbsttag einfach nicht zu schlagen. Da kommen nur die Brenta, Teile der Mieminger/Wetterstein und die mir noch kaum bekannten Lechtaler ran - ich bin einfach ein 'Kalki'.

 

Kalk gibt's hier genug, und im ersten Gratteil vor allem jenen der brüchigen Sorte. Nach etwas Gehgelände wartet vorne ein erster Turm.

 

II, brüchig versteht sich.

 

Rückblick auf die ersten 20 Minuten. 

 

Bei einem weiteren scharfen Gratturm leitet ein Steinmann auf breitem Band etwas in die Südflanke hinab, danach gilt es drüben die tiefste Scharte im Gratverlauf zu erreichen. 

 

Der Kollege hat eine Viertelstunde Vorsprung und befindet sich aktuell im oberen Teil der IIIer Stelle.

 

An dieser Vertiefung bin ich zum Grat zurück (II). 

 

Kurz vor der Scharte, die größeren, scharfen Grattürme werden südlich auf Bändern umgangen. 

  

Ich erreiche die Scharte (ca. 2.450m), gleich danach ein schöner IIer. Der Grat steilt auf.

 

Das Gelände bleibt zu jedem Zeitpunkt übersichtlich, vorne ist wieder Kletterei gefragt. Ich wähle die Rinne relativ weit links (III). Es dürfte weiter rechts (südlich) Alternativen geben, leichter sah es mir aber sonst nirgends aus. 

 

Die ca. 10m hohe IIIer Stelle im Rückblick. Wo nötig, hat es festen Fels.

 

Weiter aufwärts, oben bereits das GK.

 

Die zweite schwierigere Kletterstelle (II+), am besten links außen. 

 

Diese Stelle ist klettertechnisch nicht besonders schwierig, aber ausgesetzt mit üppiger Kühlung des Allerwertesten über der kalten Nordwand.

 

Oben empfängt mich einer der sporadisch anzutreffenden Steinmänner. Der Kollege wartet bereits am GK, er hat die eisigen Passagen unter dem Gipfelaufbau bereits hinter sich.

 

Wie Perspektive täuschen kann: der eher einfache Westteil des Grats erscheint hier als messerscharfe, waghalsige Schneide, die deutlich erhöhten Schwierigkeiten seit der Scharte verschwinden beinahe.

  

Ein steiler Abbruch erfordert das Ausweichen nach rechts. Die direkte Gratkante wäre sicher IV.

    

In den schattigen Partien sehr unangenehmer Hartschnee und angeeister Fels. 

 

Steil, aber klettertechnisch nicht mehr als II - dort wo trocken sehr genußvoll, in den schattigen Passagen mäßig spassig. 

 

Durch den glatten Untergrund musste man hier Vorsicht walten lassen.

 

Wir klatschen auf der Sonntagkarspitze (2.575m) ab - weit und breit keine Leute auf den umliegenden Gipfeln, nur hier zwei. Wir unterhalten uns über die mögliche Fortsetzung zur Hinteren Bachofenspitze, aber die eisigen Partien im oberen Teil sahen uns nicht vertrauenserweckend aus (siehe Bild unten). 

 

Der zurückgelegte Grat, kaum 1h habe ich dafür benötigt. Für Freunde brüchigen Gesteins und nicht allzu schwerer Kletterei eine lohnende Sache. 

 

Der Kollege verabschiedet sich - ich hänge noch 20 Minuten Rast an mit Logenblick in das Karwendel, im Süden über die Tuxer, Zillertaler und Stubaier Alpen bis nach Südtirol. 

  

Kaskarspitze vor Westlicher und Östlicher Praxmarerkarspitze.

 

Im Osten setzt der Grat Richtung Hinterer Bachofenspitze (2.668m) fort, rechts der Roßkopf (2.670m). Die Schneeauflage in den Gipfelbereichen hielt uns von einer weiteren Begehung ab.

 

Um 13:10 Uhr beginne ich den Abstieg.

  

Der Grat zur Hinteren Bachofen ist schon fix für nächstes Jahr eingeplant, angeblich eher leichter als der heute begangene Grat. 

  

Der Abstieg von der Sonntagkarspitze am Südgrat ist markiert und im oberen Teil einfach. 

 

Höchst beeindruckende Südost-Ansicht der Kaskarspitze. 

 

Der Grat wird nach unten hin schmäler und steiler. Da hatten wir im Juni 2016 an manchen Stellen unangenehme Schneereste.  

 

So ein Herbst könnte ewig dauern! Fernsicht bis weit in die Sarntaler Alpen und Dolomiten, rechts die heute vielbesuchte Rumer Spitze. 

 

Hoch über dem Kaskar und dem im Herbst völlig im Schatten liegenden Samertal.

 

Gut markierter Abstieg. 

 

Es gilt das Sonntagskar und den Steig hinüber zur Pfeishütte zu erreichen, der in den Latschen oberhalb des Fahrwegs verläuft. 

 

Zuletzt die sehr steile Schrofenflanke runter, hier muss es absolut trocken sein.

 

Rüber zur Pfeishütte. 

 

Schöner Steig herunter aus dem Sonntagkar, links der Südrücken der Sonntagkarspitze. 

 

Um kurz nach 14:00 Uhr bin ich wieder bei der Pfeishütte, dann der etwas langweilige Gegenanstieg über 200 Höhenmeter hinauf zum Kreuzjöchl. 

 

Rückblick - wird wohl bis 2019 dauern, bis hier wieder schneefreie Gipfel zu sehen sein werden.

 

Über das Kreuzjöchl drüber (2.120m) und hinab Richtung Thaurer Alm - einer der schönsten und aussichtsreichsten Steige im Nahbereich von Hall und Innsbruck.

 

Vorbei an der 'hahlen Wand'. 

 

Herrlicher Nachmittag. 

 

Über dem Inntal bildet sich wieder Dunst aus. 

 

Gletscherriesen leuchten herüber, wie Großvenediger und Reichenspitze

 

Am schönen Weg hinunter zum Raddepot beim Thaurer Roßkopf. 

 

Um 15:10 Uhr schwinge ich mich aufs Bike und rolle am steilen Karrenweg vorbei an den Ausflüglern bei der Thaurer Alm ...

 

... und retour nach Thaur. Touren dieser Art, mit so starken Gegensätzen zwischen belebtem Tal und einsamem Berg, sind für mich einfach das Salz in der Bergsteigersuppe. Jetzt warten wir einmal den tagelangen Starkregen und Schneefall ab, vielleicht ist ja in 2018 doch noch die eine oder andere Bergtour möglich. Sicherheitshalber hole ich aber nun einmal die Schneeschuhe aus dem Keller und bringe die Tourenski zum Service.  

 


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Kommentare: 4
  • #1

    rainer (Sonntag, 28 Oktober 2018 14:18)

    Gratuliere Jürgen!
    Einer der schönsten Übergänge in der Gleirsch-Halltalkette.
    Berg Heil!

  • #2

    Toni (Donnerstag, 01 November 2018 13:36)

    Servus Jürgen,
    ja Zufälle gibt's. Da surfe ich nichtsahnend durch's Netz, auf der Suche nach neuen Touren und finde ausgerechnet die Seite des Bergkammeraden, mit dem ich letzte Woche diese tolle Runde gemacht hab. Im nachhinein schade, dass wir den Grat nicht doch weiter verlängert haben... Das hätten wir auch noch gepackt!
    Vielleicht trifft man sich mal wieder.
    Schöne Grüße, Toni

  • #3

    Jürgen (Montag, 05 November 2018 16:24)

    Hallo Toni, das freut mich, hab ich für nicht ganz unwahrscheinlich gehalten dass du über den Bericht stolperst. Die Runde war wirklich super! Du bist dann so schnell von der Sonntagskar runter, hab fast geglaubt du willst doch noch auf die Bachofen rauf :)) Gruß, Jürgen

  • #4

    Toni (Mittwoch, 07 November 2018 17:37)

    Ja, ich war schwer am überlegen. Bin stattdessen über die Joch-, Pfeiser-, Lattenspitze zum Törl hinunter.
    Grüße!