Spritzkarspitze & Plattenspitze

2606 / 2492 Meter

Karwendel

14.-15. Oktober 2017

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Tag 1: Aufbruch bei der Hinterhornalm (1.522m). An der Walderalm (1.511m) vorbei über den alten Steig zur Ganalm (1.190m) und über den Kristalplsteig hinab in das Vomperloch zur Brücke (ca. 960m). Auf der anderen Talseite in den Knappenwald (1.120m) und westwärts in das Vomperloch. Nach einigem Auf und Ab, den Ödkarbach überquerend, erreicht man die "Au". Am Jagdhaus (1.077m) vorbei über den Bockkargraben und zur Mündung des Spritzkarbachs. Biwakplatz in der Nähe.

Tag 2: Aufstieg Spritzkarspitze über Spritzkar: Rechts des Wasserfalls über die Felswand und auf schlechtem Steig über Rinnen und Platten hoch über der Klamm zur unteren Terrasse des Spritzkars. Links aufwärts, wo eine Rinne zum Südgrat der Plattenspitze hinaufzieht. Rechts ab durch Latschen auf die obere Karterrasse. Weiter rechts aufwärts und auf die von der Eiskarlspitze herabziehende begrünte Rippe. Auf dieser zum Verbindungsgrat zwischen Eiskarl- und Spritzkarspitze. Am Grat zum Gipfel der Spritzkarspitze (2.606m).

Weiter über den Grat zur Plattenspitze: zuerst meist direkt am Grat, einen größeren Kopf oben umgeht man abschüssig. Weiter am Grat steil hinunter bis zum Flachstück. Anschließend nochmals über einige Köpfe, wobei der mittlere wieder sehr abschüssig umgangen werden muss. Von der Scharte steil hinauf zur Plattenspitze (2.492m).

Abstieg Plattenspitze über Südgrat und Grubenkar: Nach Süden über einige Gratköpfe zum Vorgipfel und an der westlichen Begrenzung hinunter. An der begrünten Scharte rechts über den steilen Schrofenhang und nordwärts eindrehend zum Ausstieg ins Grubenkar. Das Grubenkar im Abstieg möglichst weit nach Westen queren. Ausschau halten nach einer ausgeschnittenen Latschengasse. Durch diese, die Steilrinne queren und auf breit ausgeschnittenen Steig abwärts. Kurz vor Erreichen des Talbodens alte Drahtseile. Nicht zum Lochhüttl, sondern auf Verbindungssteig mit Sprung über den Bach und zum Wanderweg. Diesem folgend bis zum Biwakplatz und mit vollem Gepäck über den Knappensteig zurück zu Walder- und Hinterhornalm.

 

Schwierigkeitsgrad: sehr schwierig (T6/II)

Ausreichend strategische Planung (Zeitmanagement & Wasserversorgung), Kondition und gutes Orientierungsvermögen im ausgesetzten Bröselgelände sind ein unbedingtes Muss.

Nicht zu unterschätzende, steile und ausgesetzte Steige in und aus dem Vomperloch (T3), Rutschgefahr auf feuchtem Laub und den Holzbrücken. Die eigentliche Tour startet mit der Felswand des unteren Spritzkarbachs und den steilen Rinnenquerungen in das untere Spritzkar (anhaltend T6, oftmals II, an einer Stelle ein windiges uraltes Drahtseil). Im Kar mühsam, aber unschwierig aufwärts (max. T4). Hinauf zur begrünten Rippe steile Schrofen und einfache Kletterei (I), nach oben hin einfacher. Am Grat zur Spitzkarspitze eine Stelle I+, sonst unschwierig. Grat zur Plattenspitze sehr brüchig und durch die Kieselauflage rutschig, an vielen Stellen geringe Kletterschwierigkeiten, aber hohe Konzentration erforderlich. Zwei Gratköpfe sind sehr abschüssig südlich zu umgehen. Vorsicht: der Grat bricht oft überhängend in den Enger Grund ab. Aufstieg zur Plattenspitze in festerem Fels (II). Am Südgrat zuerst eher flach über einige Köpfl, teils östlich umgehend (mehrmals II). Abstieg über die plattige Wand (T5, brüchig) und über steile Schrofen hinab ins Grubenkar (T5, bei Nässe heikel). Im Kar unschwierig hinab zum steilen Steig. Diesen gilt es nicht zu verfehlen, kein anderer Abstieg aus dem Grubenkar möglich!

 

Dauer: 12 Stunden

Höhenmeter: 2.450 Meter

 

Parkplatz:

Hinterhornalm, über Mautstraße erreichbar (4,50€). 

 

Einkehrmöglichkeiten:

Hinterhornalm

Walderalm

 

Landschaft:  ********** (10/10)

Kondition:    ********** (10/10)

Anspruch:       ********* (9/10)



Die abgelegensten Karwendelgipfel oberhalb des schwer zugänglichen Vomperlochs: Mit der Besteigung der Spritzkarspitze über das Spritzkar und der Gratüberschreitung zur Plattenspitze samt Abstieg über das Grubenkar habe ich ein lange geplantes Vorhaben umgesetzt. Durch die langen Zustiege ergab sich eine herausfordernde Tour samt Übernachtung im Vomperloch.
(Aufnahme des schneefreien Karwendel vom Gr. Bettelwurf am Neujahrstag 2017).

 

Tag 1: Am frühen Nachmittag starte ich bei Oktober-Kaiserwetter und spätsommerlichen Temperaturen von der Hinterhornalm (1.522m). 

 

Ich bin vollbepackt und schlendere zur Walderalm (1.511m). Hier treffe ich zum letzten Mal für die nächsten 30h auf Menschen. Im Hintergrund die atemberaubenden Gipfel der Vomperkette, allesamt nur über langwierige, schwierige Zustiege zu erreichen. Hinter der sonnigen Walderalm bricht das Plateau ca. 500hm in das im Oktober früh schattige Vomperloch ab.

 

In der Ferne meine Ziele - die Plattenspitze mit der dreiecksförmigen plattigen Südflanke, mittig der Gipfelzacken der Eiskarlspitze, welcher die Spritzkarspitze verdeckt.

 

Doch zuerst hinunter in das tiefe Vomperloch. Gegenüber das Lamskar mit der Lamsenspitze, links die dominante Huderbankspitze, dort oben war ich im Juni 2016. Eine gute, nicht allzu schwierige, aber doch langwierige Einstiegstour für leidensfähige Vomperloch-Aspiranten. 

  

Das Vomperloch - ein tief eingeschnittenes, schwer zugängliches Seitental. Bereits am mittleren Nachmittag schattet des mächtige Bettelwurfmassiv den Talgrund ab. Im Westen die markante Hochkanzel, auch einer der schwer erreichbaren Karwendelgipfel. 

 

Ich habe Zeit, daher steige ich mit etwas Umweg zur Ganalm etwas talauswärts ab. Richtung Osten leitet das Tal canyonartig Richtung Schwaz. Der Forstweg herauf zur Gan- und weiter zur Walderalm ist der einzige befestigte Fahrweg im gesamten Tal. 

 

Ich folge der Mountainbikestrecke einige hundert Meter. Bei dieser unscheinbaren Abzweigung lasse ich die Zivilisation endgültig hinter mir.

 

Der Kristalplsteig beginnt. Schwache Markierungen leiten steil hinunter.

 

Der Steig ist gut zu gehen, aber Vorsicht: sehr steiles Gelände, nasses Laub, an vielen Stellen Absturzgefahr. Im unteren Teil gibt es ein paar klapprige Versicherungen.

 

1:20h nach Aufbruch erreiche ich den engen Talgrund des Vomperbachs. Über die Brücke und mit 150hm Gegenanstieg hinauf zum Knappenwald, dann westwärts auf den gut markierten Verbindungssteig zum Halleranger.

 

Gegenüber die Nordseite des Hundskopfs, wildes Ambiente. Am nächsten Abend werde ich mich da oben auf dem Knappensteig zurück zur Walderalm kämpfen.

 

Der Weg durch das Vomperloch ist sehr abwechslungsreich. Nach einiger Zeit passiere ich die Mündung des Ödkarbaches.

 

Nach einem weiteren Gegenanstieg öffnet sich das Tal: die wildromantische "Au" - Eintritt in das innere Vomperloch.

 

Die Jagdhütte in der Au (1.077m). Man spürt, es ist Mitte Oktober.

 

Nach 3,5h Anmarschzeit überquere ich den Bockkargraben und suche mir nahe der Mündung des Spritzkarbachs auf einem latschenbewachsenen Schuttkegel ein freies Plätzchen. Absolute Ruhe.

  

Es ist knapp nach 16:30 Uhr, noch etwas Zeit um den Einstieg in das Spritzkar anzuklettern. Gegenüber hoch oben der Hundskopf im letzten Sonnenlicht.

 

Es dämmert im Vomperloch. Mitte Oktober bleibt es zwischen 19:00 und 6:30 Uhr stockdunkel. 

 

Ich schlafe gut. Um 6 Uhr erste Anzeichen der Morgendämmerung - Beginn von Tag 2. 

 

In der Morgendämmerung packe ich meine Sachen und mache mich nach gemütlichem Frühstück gegen 7:30 Uhr auf den Weg. Der Plan: 4h auf Spritzkarspitze, 1:30h zur Plattenspitze, Abstieg ca. 2h plus Pausen. Da die Tage nicht endlos sind und ich den teils nassen Knappensteig nur mit Stirnlampe vermeiden will, sollte ich um allerspätestens 16:00 zurück sein.

 

Die Hochkanzel im Morgenlicht. Es ist empfindlich kalt, daher bin ich froh über Daunenjacke und dicke Handschuhe. 

 

Natur, unverfälscht und echt. 

 

Zuerst die Felswand hinauf zum Einstieg ins Spritzkar (II).

 

Gut zum munter werden, schaut anspruchsvoller aus als es ist. Jetzt bin ich froh, dass ich die 3h Anmarsch hierher schon am Vortag erledigt habe. Oben quert man etwas ausgesetzt oberhalb des Wasserfalls zu einem schwach erkennbaren Steig.

 

Die Klamm hinein in das Spritzkar öffnet sich. Es geht auf altem Steig sehr steil an der rechten Flanke hinauf.

 

Schon hoch über der Klamm. Wie so oft im Karwendel sind die Karein- bzw. -ausstiege nicht untrivial. 

 

Vorsicht ist angesagt, es ist kein allzu schnelles Tempo möglich. Immer wieder ausgesetzte Querungen (T6). Ein Abgang würde tief unten in der Klamm enden.

 

Langsam nähere ich mich dem Ende der Klamm. Oben bereits die ersehnte Sonne.

 

Es wartet noch eine ausgesetzte Stelle mit uralten Drahtseilversicherungen. Besser nicht deren Haltbarkeit testen.

 

Das war's dann vorerst mit den Schwierigkeiten. Fast 1h habe ich für die vergleichsweise kurze Strecke aus dem Vomperloch gebraucht. 

 

Bei dem im AVF erwähnten markanten großen Felsblock wechsle ich auf die andere Bachseite. Kleine Steige verlaufen an beiden Bachseiten. 

 

In der unteren Terrasse des Spritzkars auf ca. 1.600m. Der AVF empfiehlt den Aufstieg in der Rinne links (Richtung Südgrat der Plattenspitze), aber auch die Rinne rechts scheint gangbar zu sein. In jedem Fall ist mein Ziel die rechts oben von der Eiskarlspitze herabziehende Seitenrippe.

 

Ich entscheide mich für die Rinne hinauf zur Plattenspitze. Auf etwa halber Höhe sollte es einen Durchschlupf in das obere Spritzkar geben.

 

Nach etwas Suchen und dem einen oder anderen Ringkampf mit einer aufmüpfigen Latsche finde ich eine Gasse. Es gibt hier aber keinen ausgeschnittenen Steig mehr.

 

Auf ca. 1.900m endlich Sonne! Die Szenerie ist fantastisch. Ich quere ansteigend hinüber zur Ostseite des Kars Richtung des latschenbewachsenen Rückens.

 

2:30h nach Aufbruch erste Rast im höchst einsamen Spritzkar. Gegenüber die düsteren Nordwände zwischen Hundskopf und Hoher Fürleg, die man auf der Fürleg-Runde überschreitet.

 

Ich nähere mich dem oberen Spritzkar, links oben deutet sich bereits der Gipfelbereich der Spritzkarspitze an. Ein Durchstieg hinauf auf die rechte Seitenrippe wird sichtbar.

 

Über dem Südgrat der Plattenspitze - dort würde die von mir begangene Rinne hinausleiten - spitzt die Hochkanzel hervor.

 

Ich rekognosziere das Gelände. Da geht's easy hoch.

 

Das obere Spritzkar. Wie oft hier wohl Menschen vorbeikommen?

 

Schon oberhalb der Steilstufe in den Schrofen. Perfekte Verhältnisse.

 

Auf der Rippe auf ca. 2.150m. Unschwieriges Gelände.

 

Ich genieße.

 

Das Gelände zieht in angenehmer Steigung nach oben. Das Vomperloch schon 1.200 Höhenmeter weiter unten.

 

Ich erreiche eine flache Karmulde. Nun ist's nicht mehr weit. Je weiter man nach oben kommt, desto einfacher ist der Zustieg.

 

Nach 3:30h gelange ich an den Grat. Daneben die eindrucksvolle Eiskarlspitze. Wie erwartet die angeeiste Nordseite mit Schneeauflage. Der Steilaufschwung wäre am linken Ast der V-förmigen Rinne zu nehmen, dieser ist aber nur bei Trockenheit empfehlenswert (II+). 

 

Eindrucksvolles Terrain auf der Nordseite. Hier herauf führt die anspruchsvolle Bergfahrt über die Eiskarln. 

 

Unglaubliches Panorama, ich bin hin und weg. Hier schon am Grat hinauf zur Spritzkarspitze.

 

Großteils Gehgelände auf den letzten 100 Höhenmetern, eine Stelle I lasse ich mir nicht nehmen, kann aber leicht umgangen werden.

 

Geschafft! Nach Jahren des Träumens endlich auf der Spritzkarspitze, 2.606m, und das an diesem absoluten Traumtag. 4:10h ab dem Vomperloch.

 

In diesen Momenten wird man für die Anstrengungen mehr als belohnt. Kurz überschlage ich im Kopf, dass die Nettoanstiegszeit auf der direktest-möglichen Route ab der Hinterhornalm bei eher raschem Tempo etwa 6:30h (!) betragen würde. Im Westen die von hier unscheinbar wirkende Plattenspitze (2.492m), markant dahinter die Grubenkarspitze (2.663m).

 

Das Gipfelbuch - ich bin stolz mich eintragen zu dürfen.

 

Im Talgrund der Gasthof Eng am Ahornboden - der Mensch, das Herdentier. Extremer Gegensatz zum menschenverlassenen Südanstieg.

 

Der schauderliche Nordgrat der Spritzkarspitze, Revier für echte Kletterer.

 

Ich gönne mir eine ausgiebige Gipfelrast und bleibe bis ca. 12:30 Uhr. Rückblick in das tiefe Vomperloch. Rechts gegenüber der Gr. Bettelwurf (2.726m), jetzt kann ich endlich ein Foto in die Gegenrichtung schießen, siehe erstes Beitragsbild.

 

Doch nun Aufbruch: es wartet der lange Grat hinüber zur Plattenspitze. 

 

Lange dauert es nicht und es bewahrheitet sich das wenige, das ich im Internet recherchieren konnte. Brüchig, höllisch zum Aufpassen aufgrund der Kieselauflage und weil es beiderseits des Grats steil abwärts geht. Einen erste wuchtigere Formation umgehe ich etwas umständlich.

 

Ich bewege mich in unglaublicher Mondlandschaft. Am besten möglichst am Grat bleiben. Rechts beeindrucken die mächtigen Laliderer Wände, die geschlossenste Wandflucht der Nördlichen Kalkalpen.

 

Sehr unangenehmes Terrain. Gehen wie auf rohen Eiern, ein Rutscher könnte mangels Haltemöglichkeit kaum abgefangen werden, rechts pfeift es überhängend zum Enger Grund hinunter. Passagenweise wende ich die erprobte Hosenbodenmethode an.

 

Sieht ja halb so wild aus, wenn hier nur irgendetwas fest wäre! Oben sieht man den ersten zu umgehenden Gratkopf.

 

Die Silhouette der Spritzkarspitze über dem Enger Grund.

 

Am Grat ein längeres Flachstück. Zeit zum Durchschnaufen, Klettern im festen Fels hier aber Fehlanzeige.

 

Das Spritzkar.

 

Schon relativ nahe am Gipfelaufbau der Plattenspitze. Es sollte noch eine kleine Überraschung warten.

 

Nämlich ein paar kleinere Köpfl. Vor allem der mittlere war etwas knifflig, da in sehr abschüssigem Gelände südseitig zu umgehen.

 

In der Scharte vor der Plattenspitze angekommen. Sieht nach annehmbarem Fels aus.

 

Steil zieht es hinauf (II).

 

Rückblick auf den Grat vor der Scharte. Jetzt ist die Abschüssigkeit der Umgehung besser erkennbar.

 

Am Gipfel der Plattenspitze (2.492m). Es ist 14:00 Uhr.

 

Auch auf diesen entlegenen Gipfel habe ich mich lange gefreut. Leider kein Gipfelbuch, aber ich schätze dass nicht mehr als 5-10 Personen pro Jahr hier stehen.

 

Allzu lange halte ich mich nicht auf. Noch ein Rückblick zum langen Grat von der Spritzkarspitze. Rechts die begrünte Aufstiegsrippe.

 

Im Westen die mächtige Grubenkarspitze (2.663m), schon je einmal im Sommer und Winter besucht. Mein Ursprungsplan hat diesen Gipfel (oder alternativ die Eiskarlspitze) miteingeschlossen, das würde im Oktober aber eine zweite Übernachtung erfordern.

 

Großvenediger hinter den Tuxer und Zillertaler Alpen.

 

Ich nehme den Südgrat der Plattenspitze in Angriff, es warten einige Stellen II. Ich habe maximal 5h Zeit, um vor Einbruch der Dunkelheit das am linken Bildrand erkennbare Wiesenplateau der Walderalm zu erreichen - dazwischen liegen noch 1.400hm Abstieg auf unbekannter Route und 600hm Aufstieg. Könnte knapp werden.

 

Ohne größere Schwierigkeiten, teils östlich des Grats abwärts.

 

Dann rapide am Rand der Plattenflanke hinunter.

 

Die von der Walderalm so gut sichtbare plattige Südflanke der Plattenspitze.

 

Ich habe die Wahl: links hinunter in das Spritzkar und am Anstiegsweg von heute morgen hinaus durch die Klamm (kürzer, aber schwieriger), oder an diesem steilen begrünten Hang hinab in das Grubenkar und die Runde wie geplant fortsetzen. Ich entscheide mich für letzteres, sollte dann auch die schnellere Variante sein. Wichtig ist im Kar soweit wie möglich westlich zu den Latschen zu queren. 

 

Das eindrucksvolle obere Grubenkar. Die Überschreitung der Grubenkarspitze in Richtung Rossloch ist schon als neue Idee verankert.

 

Abstieg in das Grubenkar über diesen Gamswechsel.

 

Noch immer verdammt weit da hinüber.

 

 

15:30 Uhr: ganz taufrisch bin ich nicht mehr. Zum Glück habe ich Schnee geschmolzen und so ausreichend Wasser, im Hochsommer kann das hier zum drastischen Problem werden.

 

Die gute Vorbereitung macht sich bezahlt. Punktgenau fädle ich in die richtige Latschengasse und komme zur Querung der Rinne.

 

Diese Querung ist unbedingt zu finden. Linkerhand bricht das Grubenkar mit ungangbaren Steilwänden ab.

 

Weiter unten auf einmal eine richtige Steig-Autobahn. Im Hintergrund der Bereich des ehemaligen Lochhüttls, ich kürze das unnötige Eck aber ab.

 

Der Ausstieg aus dem Grubenkar, unten mit alten Drahtseilen versichert. Mich würde sehr interessieren, wie alt diese Dinger schon sind.

 

Ich spare mir den Umweg zum Lochhüttl und springe an geeigneter Stelle über den Bach. Dringend nötiger Wassernachschub.

 

Zurück am Zeltplatz. Der Steig aus dem Grubenkar schaut von weitem recht abenteuerlich aus.

 

Nach kurzer Rast, kleiner Mahlzeit und Verpacken des Equipments verlasse ich die Au und nehme um 17:30 Uhr den Knappensteig in Angriff.

 

Der bisherige Tag hängt sich ordentlich rein, das schwere Gepäck tut sein Übriges. Gegenüber die Plattenspitze im Sonnenuntergang, dort oben bin ich 3,5h zuvor noch gestanden.

 

Der Knappensteig ist schön angelegt, aber nicht zu unterschätzen. Immer wieder ausgesetzte, zum Teil versicherte Stellen.

 

Ich bin ehrlich gesagt zu faul um den Rucksack abzustellen und die Stirnlampe rauszukramen. In der Anstrengung aber auch das Schöne: eine schöne Gegendämmerung mit Venusgürtel.

 

Ich trete aus dem stockfinsteren Wald und sehe die Walderalm, was für ein Gefühl nach diesem langen Tag. Ich lege mich einige Minuten in das Gras und verschnaufe.

 

19:30 Uhr: am Parkplatz der Hinterhornalm mit Blick auf das erleuchtete Inntal. Ein Abenteuer in einer anderen Welt mit doch bemerkenswerten Strapazen. Insbesondere der Ausstieg zurück aus dem Vomperloch mit schwerem Gepäck - nach den schon vorher zurückgelegten fast 10h und 2.000hm im weglosen Gelände - hat mir einiges abverlangt. Die positiven Erinnerungen an dieses fantastische Erlebnis, die Einsamkeit im Vomperloch und die Gipfelerlebnisse werden ewig bleiben. Das Karwendel ist einfach ein gigantisches Stück Erde.

 


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Kommentare: 8
  • #1

    Elisabeth (Mittwoch, 18 Oktober 2017 22:49)

    Fantastische Bilder und beeindruckende Beschreibung.


  • #2

    Marcello (Freitag, 20 Oktober 2017 07:24)

    Gratuliere zur gelungenen Tour :)
    Hut ab ;-)

  • #3

    Andi (Freitag, 20 Oktober 2017 12:39)

    Respekt vor der Leistung! Beeindruckende Tour, wunderschönes wildes Karwendel, tolle Bilder und super Bericht! Für mich leider ein paar Nummern zu schwierig. Danke für das "Mitnehmen"!

  • #4

    rainer (Freitag, 20 Oktober 2017 16:16)

    Gratuliere Jürgen zu Tour und Bericht.
    Berg Heil!

  • #5

    Josef (Montag, 23 Oktober 2017 13:40)

    Selbst das Lesen des Berichtes ist schon ein Erlebnis. Atemberaubende Fotos und herrliche Formulierungen.

  • #6

    Knapp Thomas (Freitag, 27 Oktober 2017 17:22)

    STARK !
    Konditionell
    Mental
    Fotos
    Schöne Grüsse
    Berg Heil!

  • #7

    Sebastian (Dienstag, 19 Juni 2018 11:11)

    Tolle Runde. Werde ich beizeiten hoffentlich einmal nachgehen.. Die Spritzkar ist in der Tat ein Sehnsuchtsberg!

  • #8

    marksteiner.georg@gmail.com (Sonntag, 01 Juli 2018 21:25)

    Vielen Dank für diesen super Bericht mit traumhaften Bildern. Ich bin heute die von dir so schön beschriebene Route nachgegangen. Ein wahrer Traum Tag war das. VG