Riepenwand, Große & Kleine Ochsenwand

2774 /  2700 / 2554 Meter

Stubaier Alpen

5. September 2018

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Von der Kemater Alm (1.673m) über die Adolf-Pichler-Hütte (1.977m) zur Alpenklubscharte (2.451m). Wenige Minuten aufwärts zur Kleinen Ochsenwand (2.554m). Am Südrücken über Schrofen abwärts in die Ochsenwandscharte und über den Klettersteig (der Abstiegs-Klettersteig vom Schlicker Klettersteig, Infos hier) zur Großen Ochsenwand (2.700m). Ab hier unmarkiert über den Südgrat und eine südwestwärts verlaufende brüchige Rinne zur Riepenscharte. Am Nordgrat über drei Steilstufen zur Gratkante und über diese zum Gipfel der Riepenwand (2.774m). Abstieg retour zur Riepenscharte, nach Westen über die Reise abwärts und zurück zur Kemater Alm.

      

Schwierigkeitsgrad: sehr schwierig (T5+/III-)

Bis Alpenklubscharte reine Wanderung (T3), weiter bis zur Kleinen Ochsenwand T4/I. Direkter Südabstieg zur Scharte schrofig - Rutschgefahr. Klettersteig zur Gr. Ochsenwand C. Die SW-Rinne hinab zur Riepenscharte ist unschwierig, aber sehr brüchig. Der Anstieg zur Riepenwand ist zweigeteilt: zuerst drei Steilstufen (unten II, mittlere 2x III-, obere II+), nach oben hin auf der Gratkante I und leichter werdend. 

 

Dauer: 5:30 Stunden

Höhenmeter: 1.400 Meter

 

Parkplatz:

Bei der Kemater Alm - Maut 3€.  

 

Einkehrmöglichkeiten:

Kemater Alm

Adolf-Pichler-Hütte

 

Landschaft: ********** (10/10)

Kondition:          ****** (6/10)

Anspruch:     ********* (9/10)



Die wuchtige Riepenwand (2.774m) in den Kalkkögeln - ein abweisender Koloss und kein Gipfel, den man einfach so im Vorbeigehen mitnimmt. Gleich gegenüber stehen mit der Großen (2.700m) und Kleinen (2.554m) Ochsenwand zwei leichtere, aber ebenso lohnende Gipfel. 

 

Die Silhouette der Kögel begrüßt mich kurz vor 6 Uhr morgens an der Kemater Alm (1.673m). 

 

In den 25 Minuten zur Adolf-Pichler-Hütte bequemt sich der Tag langsam aus den Federn.  

 

Und da stehen sie: links die eigentlich unscheinbare, aber aus dieser Perspektive mächtig wirkende Kleine Ochsenwand, mittig die Große Ochsenwand, rechts die Riepenwand. Ganz links die Schotterreise hinauf zur Alpenklubscharte - nicht ganz 500 Höhenmeter sind's von der Adolf-Pichler-Hütte. 

 

Die Stimmung am frühen Morgen ist nicht zu übertreffen: die Sinne sind vom sonst so hektischen Leben unbeeinflusst und voll auf Empfang. Hinter der Kuppe des Breitschwemmkogels (2.264m) die Nördlichen Sellrainer Berge, links hinten die Peiderspitze (2.808m) mit ihrem Ostgrat, rechts Rosskogel (2.646m) & Weißstein (2.640m).

  

Ich sehne mich nach den letzten verregneten Wochenenden nach trockenem Fels! Steil in vielen Serpentinen auf dem markierten Steig hinauf in die Alpenklubscharte. 

 

A Traum-Tagl! Rechts das Hoadl (2.340m), im Inntal noch Hochnebel.

 

An der Alpenklubscharte (2.451m) empfängt mich dieser grandiose Ausblick nach Südosten. Dominant in der Mitte die Serles (2.707m)

 

Aus der Alpenklubscharte (2.451m) hat man einen spektakulären Blick auf die Gr. Ochsenwand. 

 

Ich will aber zuerst noch die Kl. Ochsenwand mitnehmen, also gleich rechts hinauf. 

 

Kaum 1:30h nach Start bin ich mitten im Fels - das ist der Vorteil eines hohen Ausgangspunkts. 

 

Eine kleine Ier-Stelle am sonst leichten, kurzen Abstecher. 

 

Ziemlich genau 100 Höhenmeter sind's von der Scharte bis zum Gipfel. 

 

Halb 8 Uhr morgens, Zeit zum Aufwachen auf der Kl. Ochsenwand (2.554m). Vorne in Bildmitte der von Süden erstaunlich kühn wirkende und via Klettersteig erreichbare Steingrubenkogel (2.633m), rechts hinten die Marchreisenspitze (2.620m)

 

Ein schönes Spritztour-Gipfele, die Kl. Ochsenwand - doch heute geht noch mehr, nämlich die beiden unscharfen Herrschaften im Hintergrund. 

  

Geht auch scharf: weiter am Südrücken hinunter zur Ochsenwandscharte, dort Einstieg in den Klettersteig hinauf zur Gr. Ochsenwand. Die Riepenwand rechts wird den grandiosen Schlußpunkt bilden. 

 

Südseitiger Abstieg von der Kl. Ochsenwand. Schaut harmlos aus, ist aber durch die Schuttauflage recht rutschig - Vorsicht!

 

In die Ochsenwandscharte ist Abklettern gefragt, war mir deutlich lieber als das schuttige Tänzchen auf den Kieselsteinen. 

 

Drüben beim großen rot-weißen Punkt beginnt der Klettersteig. Dieser wird hauptsächlich von denjenigen genutzt, die den Klettersteig von der Schlick auf die Gr. Ochsenwand gehen. 

 

Hauptsächlich B, ein paar C-Stellen sind auch dabei. 

 

Die Landschaft ist herausragend - daher auch meine Höchstnote 10/10.

 

Nach dem ersten Steilstück ein kurzer flacher Absatz, dann nach links weiter aufwärts. 

 

Schnell erreiche ich wieder die Höhe der Kl. Ochsenwand. 

 

Mein Bergjahr 2018 ist schon reich an besonderen Momenten, diese Tour gehört definitiv dazu. 

 

Blick über die Kl. Ochsenwand hinweg in das Inntal sowie auf das vernebelte Seefelder Plateau. 

 

Das Schlußstück der nur etwa 200 Klettersteig-Höhenmeter. 

 

Im Süden die unübersehbare 'Schaar', der Pflerscher Tribulaun (3.097m). 

 

Ein letztes Schärtchen (B/C). 

 

Für einen Moment marschiere ich auf einem Band fast direkt auf die Kirchdachspitze (2.840m) zu, das war vor 2 Monaten eine wilde Tour über den Südgrat, nicht wahr Nelli? 

 

Da gibt sich die Gr. Ochsenwand vergleichsweise zahm. Nach den Versicherungen im steilen Gehgelände hinauf zum Kamm. 

 

Vor lauter Schauen und Staunen sollte man aber trotzdem darauf achten, wo man hinsteigt. Die Kögel mit ihren Steilflanken sind kein Gebirge für Unachtsamkeiten. 

 

8:30 Uhr morgens, zweites Frühstück auf der Gr. Ochsenwand (2.700m). 

 

Heute (noch) nichts los auf der Gr. Ochsenwand, das Gipfelbuch spricht aber von regem Betrieb über die Sommermonate. 

 

Die nördlichen Kalkkögel, links Hochtennspitze (2.549m) und Malgrubenspitze (2.571m), dominant die Marchreisenspitze. Rechts die Schlick und das Stubaital. 

 

Da zeig ich der Riepenwand noch die kalte Schulter... man liest ja so einiges über diesem Berg, also gehe ich mit dem nötigen Respekt an die Sache heran. Mein Plan ist Auf- und Abstieg über den Nordgrat, wo es schöne Kletterei geben soll. 

 

Mit dem Abstieg von der Gr. Ochsenwand verlasse ich die markierten Wege. 

 

Der Südgrat der Ochsenwand ist im oberen Teil an einer rutschigen Stelle versichert, nach unten hin flach auslaufend. 

 

Rückblick auf den Abstieg. 

 

Ein direkter Abstieg in die Riepenscharte ist nicht möglich, daher ausweichen in die südwestwärts verlaufende Schuttrinne. 

  

Endlich sehe ich den Nordgrat der Riepenwand ganz ein. Die interessanten Stellen befinden sich nämlich allesamt im unteren Bereich, sobald man die Gratkante erreicht wird es leichter. 

 

Die Rinne wird im Winter gern als Ski-Zustieg zur Gr. Ochsenwand benutzt, daher hält sich die Steilheit in Grenzen. Brüchig ist's!

  

Kurz vor der Riepenscharte ein schönes Profil der 3 Steilstufen: die erste zum Aufwärmen (II), die zweite nimmt man von rechts mit 2x hintereinander III- (schräger Riss & ausgesetzte Kante), drüber nochmals ein enger Kamin (II+). 

 

Genialer Tiefblick in die Schlick zum Sennjoch (2.190m). 

 

Der vom AVF empfohlene Normalweg: eine steile Schuttrinne hinauf zur Nordostflanke, nicht sehr einladend. 

 

Da halte ich mich lieber an die Empfehlungen aus den Berichten im Internet: nämlich direkt über den "Nordgrat", eher eine Abfolge steiler Felsstufen. 

 

Fester Fels. Immer wieder sind verblasste Markierungen oder Steinmandln zu sehen.

 

Erste Aufwärmstufe mit ein paar IIer-Stellen.

 

Die zweite Stufe beginnt mit diesem abdrängenden, schrägen Riss. 

 

Alles sehr stabil, aber ab hier zunehmend ausgesetzt (III-).

 

Oberhalb des Risses erreicht man ein kleines unübersichtliches Plateau. Ich bin nach etwas Probieren links über die sehr ausgesetzte Kante drüber (III), nicht die optimale Routenwahl, wie ich dann von oben gesehen habe.

 

Ausstieg über die hängende Kante mit instabilen Grasbüscheln - die Stelle würde ich im Abstieg nicht nehmen.

 

Wenige Meter nach rechts und ich sehe, dass es hier einfacher gegangen wäre. III-, fester Fels,  ausgesetzt. 

 

Oberhalb ein paar Meter Gehgelände, einmal ums Eck und ich stehe vor der dritten Steilstufe: diese ist ein recht enger Kamin, der nach links hinaus verlassen wird. 

 

Ausstieg durch den schmalen Spalt, ich vergebe II+. Damit sind die insgesamt etwa 100 Meter mit den gröberen Schwierigkeiten überwunden.

 

Ich erreiche die Gratkante und ab hier wird es deutlich einfacher. Ein brüchiger Ier, nach oben hin immer flacher. 

 

Gegenüber die Gr. Ochsenwand mit ihrem Südgrat, links im Schatten die brüchige Abstiegsrinne. 

 

Viele Steinmandln säumen den Grat hinauf zum Gipfel. An einer Stelle nehme ich ein Band in die Nordostflanke, beim späteren Abstieg bin ich dann mehr an der Gratkante geblieben. 

 

Gipfelkreuz und der hässliche weiße Kasten kommen näher. 

 

Die überschrittene Gr. Ochsenwand, eine herrliche Szenerie. Links davon kaum wahrnehmbar die Kl. Ochsenwand. Ganz am linken Bildrand die Adolf-Pichler-Hütte als kleiner, weißer Punkt.

 

Gipfel der Riepenwand (2.774m). 

 

Leider komme ich für das alte Gipfelbuch von '79 ein Jahr zu spät, da es im Sommer 2017 getauscht wurde. Im Hintergrund die Schlicker Seespitze (2.808m), der höchste Gipfel und südliche Abschluss der Kalkkögel. 

 

Ein herrliches Gefühl, auf diesem fordernden Berg zu stehen.  

 

Nach der schönen Kletterei steht mein Entschluss fest, wieder über den Nordgrat abzusteigen. Ein paar Meter erkunde ich das Terrain Richtung Südosten. 

 

Was ich mir nicht antue (zumindest heute), ist die Überschreitung zur Schlicker Seespitze mit dem Schuttband. Ich darf als kleinen Appetithappen ein Foto von Rainers Überschreitung der Riepenwand verlinken, nicht minder spannend Holgers Überschreitung. Der Einstieg zum Schuttband dürfte ca. etwa 100 Höhenmeter tiefer als mein Standpunkt im Bild liegen.

  

Daher: zurück zum Nordgrat und den nicht allzu weiten Weg über die Riepenscharte zurück zur Adolf-Pichler-Hütte bzw. Kemater Alm. 

 

Ich will den oberen Bereich des Nordgrats aber nicht verharmlosen, es ist brüchig, nach unten hin zunehmend steiler und dementsprechend vorsichtig zu steigen. 

 

Typisches Gelände. 

 

Einstieg in die Steilstufen. Jetzt ist wichtig, dass der seilfreie III. Grad auch im Abstieg sitzt. 

 

Beim unteren Riss. Dank der guten Felsqualität macht mir das Abklettern großen Spaß.

 

So lande ich wieder in der Riepenscharte. Abstieg einfach gerade hinunter, ich empfehle die rechts kaum sichtbare Vertiefung (die Verlängerung der von der Gr. Ochsenwand herunter verlaufenden brüchigen Rinne). 

 

Gigantische Nordwestansicht der Riepenwand mit dem "Fliegerbandl". Mir steht bei der Vorstellung, in solche Wände einzusteigen, immer die Kinnlade offen. 

 

Flott über die Reise runter. 

  

Hinaus zur Adolf-Pichler-Hütte. 

 

Blick retour zur Riepenwand sowie zum Seejöchl, dem Übergang zur Starkenburger Hütte und ins Stubai.

  

Landschaft genießen. 

 

Adolf-Pichler-Hütte, rechts Hoadl, links im Hintergrund die Erlspitze im Karwendel

 

Der heute überschrittene Teil der Kalkkögel mit Ochsenwänden und Riepenwand.

 

Am Rückweg treffe ich zufällig Ernst und Herbert von almenrausch.at. Gemütlich schlendern wir retour zur Kemater Alm, wo die beiden einkehren und später ihre Runde um das Axamer Kögele fortsetzen. Ich schaue zurück auf drei äußert lohnende Gipfel, vielleicht eine kleine Vorübung für längere Überschreitungen in den wunderschönen Kalkkögeln.

 


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Kommentare: 2
  • #1

    rainer (Freitag, 07 September 2018 23:17)

    Gratuliere Juergen!
    Die Riepenwand ist ein bisschen die Königin in den Kalkkögeln, nicht?
    Berg Heil!

  • #2

    jürgen (Montag, 10 September 2018 08:45)

    Danke, Rainer! In Verbindung mit den Ochsenwänden ist die Riepenwand eine sehr schöne Tour mit lohnenswerten Kletterstellen - sehr empfehlenswert!