Steingrubenwand

2578 Meter

Stubaier Alpen

24. Juni 2020

Autor: Jürgen

 

Beschreibung:

Abendliche Entdeckertour auf einen unscheinbaren Gipfel zwischen den Schlicker Türmen und Zinnen in den Kalkkögeln: aus der Axamer Lizum (1.564m) in das Lizumer Kar und am markierten Steig zur Malgrubenscharte (2.401m). In der Südflanke am Gsallersteig durch das 'Kirchl' und weglos in die Nordturmscharte (2.510m). Über Schrofenbänder zum Gipfel der Steingrubenwand (2.578m). Abstieg via Nordwestgrat in die Zinnenscharte und durch die lange Rinne hinab zum Steig. Leicht ansteigend hinüber zum Hoadlsattel und entlang der Damenabfahrt zurück in die Lizum. 

  

Schwierigkeitsgrad: sehr schwierig (T6-/I)

Im Gegensatz zu den umliegenden Zinnen und Türmen ist die Steingrubenwand aus der Nordturmscharte unschwierig über brüchige Schrofen zu ersteigen. Der Abstieg über den kurzen NW-Grat ist anspruchsvoller (T6-/I) und sehr brüchig. 

 

Dauer: 4:00 Stunden

Höhenmeter: 1.160 Meter

 

Parkplatz: 

Axamer Lizum

 

Einkehrmöglichkeiten:

Axamer Lizum / Hoadlhaus

 

Landschaft:  ********* (9/10)

Kondition:          ****** (6/10)

Anspruch:         ******* (7/10)



Ein Abend zur Sommersonnenwende 2020 auf der Steingrubenwand (2.578m), einer der 'vergessenen Gipfel' in den Kalkkögeln.

 

Nach der Arbeit hinauf in die Axamer Lizum und das Lizumer Kar anvisiert.

 

Herrlicher Juni-Nachmittag unter der Woche, kaum wer unterwegs außer ein anderer Fanat, der sich von der Kemater Alm nähert - mehr dazu unten.

 

Chillig.

 

Diesmal nicht das steile Kar zur Marchreisenscharte wie auf meiner Tour mit Nelli vor einem Jahr ...

 

... sondern am Steig in Richtung Malgrubenscharte.

 

Etwas Restschnee erleichtert das Steigen in den steilen Schotterreisen.

 

Typischer Kalkkögel-Zustieg.

 

In der Malgrubenscharte (2.401m) mit Blick nach Südosten zu Serles und Kirchdachspitze. Von hier wäre es nicht weit zur Marchreisenspitze.

 

Ich will aber in die andere Richtung, also am Gsallersteig unterhalb der Hochtennspitze sowie den Schlicker Zinnen südwärts. Zwischenziel ist der links markant hervortretende Seitengrat, der von der Steingrubenwand herunterzieht. 

 

Der Kleine Burgstall vor Glättespitze und Ochsenkogel, eine weitere Reihe dahinter die Ende Juni noch winterlich anmutende Schneespitze und die Feuersteine.

 

Der Gsallersteig führt mich hin zum Einschnitt des 'Kirchl', welches das Hauptmassiv von der vorgeschobenen Pyramidenspitze (2.350m) trennt. Ganz links das Hühnerspiel (2.144m).  

 

Landschaftlich ein Hit. Mittig die Malgrubenspitze, rechts davon die Malgrubenscharte und die Marchreisenspitze.

 

Wilde Szenerie, und deutlich mehr Schnee als gedacht. 

 

Ohne Grödel wäre hier Schluss gewesen. Zudem war der mannshohe Spalt zwischen Fels und hartem Altschnee nur dank der Versicherungen zu bewältigen. Oben dann Übertritt ins nächste Kar, südseitig wieder alles schneefrei.

 

Ohne Wegweiser oder Markierung heisst es Augen offen halten. Es gilt die Nordturmscharte zwischen Schlicker Nordturm (links) und Steingrubenwand (rechts) anzusteuern.

 

Ein Abend mit Entdeckerfeeling in den Kalkkögeln.

 

In der Nordturmscharte (ca. 2.510m) Blick nach Westen ins Senderstal und auf die Schrofenbänder, die wie im AVF erläutert in die Westflanke hinausführen (T5).

 

Sehr brüchiges Gelände, Trittsicherheit und etwas Gespür für die Wegfindung hilfreich.  

 

Blick retour. 

 

Ausstieg auf den Grat und zum ... 

 

... Gipfel der Steingrubenwand (2.578m). Hier kommen in der Regel die Kletterer vorbei, welche die schwierige Überschreitung der Zinnen und Türme wagen.

 

Der Schlicker Nordturm, in Wahrheit ein filigraner Turm, geht hier im Grau der Kalkkögel fast unter. Die Kletterlinie schaut recht logisch aus (zuerst den Riss halblinks, Querung nach rechts auf Band, rechts im Kamin rauf), für eine seilfreie Begehung aber für mich zu anspruchsvoll.

 

Da sitzt doch tatsächlich einer auf der Hochtennspitze. Kein Wunder an diesem schönen Abend. Einen Blick durch das Fernglas und eine Whatsapp-Nachricht später weiß ich auch wer das ist.

 

Ein Möglichkeit wäre gewesen, zurück in die Nordturmscharte und über die dortige ebenfalls gangbare Rinne nach Westen abzusteigen. Ich versuche aber den im AVF beschriebenen Weg in die nördlich gelegene Zinnenscharte.

 

Dazu den kurzen NW-Grat abwärts (I), bald wird die nächste Rinne unten sichtbar.

 

Dann scharf rechts auf das Band. 

 

Hier schon im T6 Bereich, etwas abschüssig und ausgesetzt. 

 

Vorsichtig und sehr brüchig die kleinen Stufen herunter. Jeden Griff und Tritt sorgfältig prüfen, Klettervergnügen kommt hier keines auf. Im Aufwärtsgang ist diese Passage sicher angenehmer.

 

In der Zinnenscharte ist das Gröbste geschafft.

 

Ein bisschen Bruch-Murks.

 

Letzte kleine Kletterstelle (max. I).

 

Ausgespuckt aus der Rinne.

 

Ab jetzt ein abendlicher Spaziergang.

 

Und was für einer!

 

Da ist er ja, der Hochtennspitzen-Holger :) Gemeinsam ziehen wir uns die Abendstimmung rein.

 

Weiterflanieren zum Hoadl.

 

Traumhafte Kalkkögel. Genau in Bildmitte die Steingrubenwand, weiter rechts Steingrubenkogel und Gr. Ochsenwand.

 

Zoom auf die Schlicker Zinnen ganz links, dann die tief eingeschnittene Abstiegsrinne von vorhin und die rechts ansetzende Steingrubenwand, halbrechts gut erkennbar der Schlicker Nordturm.

 

Freundliches Kerlchen, der aber ebenso wie ich den potthässlichen Speicherteich unter der Malgrubenspitze beklagt.

 

Hinab in die Lizum.

 

Die wunderschöne Malgrubenspitze, der Speicherteich hier nicht sichtbar.

 

Fast schon wieder zurück in der Lizum.

 

Gegen 9 bleibe ich noch kurz beim Adelshof stehen, um den Sonnenuntergang über der Mieminger Kette zu genießen. Herz, was willst du mehr?

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Christian (Mittwoch, 22 September 2021 19:05)

    Seit du oben warst Jürgen sind 2-3 Einträge im Gipfelbuch dazu gekommen…einer davon von mir!!! ;-)
    LG