Geigenspitze

2334 Meter

Zillertaler Alpen

9. Oktober 2019

Autor: Roman

 

Beschreibung:

So gut wie nichts ließ sich bis auf ein paar Übersichtsbilder im Vorfeld meiner Tour über die Geigenspitze (2334 Meter) herausfinden. Dabei bietet sich der flache Westhang mit seinen steil abfallenden Seitenwänden (gleich einer Geige) ideal für einen aussichtsreichen Ausflug in den westlichen Zillertaler Alpen an. Im Nordwest-Kamm des Wolfendorn gelegen fristet die Geigenspitze ein Schattendasein - zu Unrecht. Meine Tour startet direkt am Brennerpass (1370 m) beim Plessi-Museum. Weglos geht es auf Steigspuren hinauf zur Postalm (1679 m) und von dort am Westhang zur Geigenspitze. Der Abstieg erfolgt aufgrund der Wetterlage in etwa auf dem Aufstiegsweg.

 

Schwierigkeit: mittel schwierig (weglos, kaum Steigspuren, Orientierung wichtig/T3)

Vom Brennerpass über Steigspuren wenig schwierig hinauf zur Postalm (T2) - Aufstieg auf Steigspuren und weglos zur Geigenspitze auf ca. 1900 Meter über steile Wiesen insgesamt mittel schwierig (T3) - Abstieg etwa auf dem Aufstiegsweg.

 

Dauer: 4 Stunden

Höhenmeter: 969 Meter

Kilometer: 9,8 Kilometer

 

Parkplatz:

Kostenfreie Parkplätze beim Plessi-Museum am Brennerpass (ca. 1370 m).

 

Einkehrmöglichkeiten:

Am Weg keine

 

Landschaft:    ******** (8/10)

Kondition:            ***** (5/10)

Anspruch:             ***** (5/10)


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Auf der Geigenspitze (2334 Meter) mit Blick zum Wolfendorn.

Ich geb's zu: Eine Autobahnraststätte ist ein ungewöhnlicher Start für eine Bergtour. Da ich aber keine Aufstiegswege ausmachen konnte, nehme ich mir den Weg vom im Jahr 2000 eröffneten Plessi-Museum am Brennerpass als Ausgangspunkt vor. Von dort geht es in direkter Linie hinauf zur Forststraße.

Der Reiz war heute größer als die Vernunft - Südföhn und Wetterschlechterung am Alpenhauptkamm. Aber irgendwie war die Verlockung zu groß, heute abseits aller Trampelpfade ein wenig in Nebel und Wolken abzutauchen. Es war eine gute Entscheidung, wie sich am Gipfel zeigen sollte.

Auf ca. 1450 Metern zweige ich ostwärts ins Gelände ab - der Nase nach heißt in diesem Fall: Teils sehr schwach erkennbaren Steigspuren nach.

 

Herrliche Wege, nur das anfängliche Getöse der LKW am Brenner stört ein wenig. Das wird sich aber alsbald legen.

Die Wiesen der Postalm (1679 m) sind nach flotten Höhenmetern im niedrigen Schwierigkeitsgrad (T2) erreicht.

Die Postalm (1679 Meter) im Nebel - ein weniger schmucker Anstieg.

Dafür gibt es hier das erste und auch einzige Wegweiserschild. Nur lasse ich den Weg Nummer 5 vom Brenner hinauf zum Wolfendorn rechts liegen.

Stattdessen folge ich nordwärts einem verwachsenen Karrenweg von der Postalm weg. Auf ca. 1700 Höhenmeter verlasse ich ihn - und vertraue im Nebel auf Steigspuren, vermutlich von Jägern stammend, durch das Gelände steil hinauf zur Geigenspitze.

Herrliche Wiesen mit der ein oder anderen Herbst-Stärkung (Heidelbeeren und Himbeeren).

Der Weg zieht sich zum Nordabbruch der Geigenspitze - und da taucht aus dem Nichts dieser Gedenkstein auf. Wenn ich das richtig entnehme, kam hier in der Nähe von Venn der Finanzwachbeamte Angelo Crocitto im Jahr 1919 während der Erfüllung seiner Pflichten ums Leben. Genaueres ist mir nicht bekannt - alle Angaben ohne Gewähr!

Hinter dem Gedenkstein zieht sich ein gut erkennbarer Steig nun wieder auf die Südseite des Geigenstein-Westhangs.

Auf gut 1950 Höhenmetern warten ca. 100 hm in der Querung einer steilen Wiese - auch hier auf schwachen Spuren. Im Abstieg bin ich im Nassen an dieser Stelle froh um die Spikes an meinen Schuhen.

Es wird heller, windiger und kühler - zwischen herrlich buntem Herbsttreiben und Almrosen warten nun die letzten gut 250 Höhenmeter.

Die Sonne, ein gern gesehner Gast heute.

Und auch der blaue Himmel lässt sich nicht mehr bitten. Die flachen Hänge werfen die Frage auf, ob die Skitour auf die Geigenspitze wohl lohnend ist. Bis auf den steilen Übergang auf ca. 1950 Höhenmeter müsste es eigentlich ganz gut klappen.

Der letzte Abschnitt wartet im Sonnenlicht auf mich.

Imposanter und für mich ungewohnter Anblick des wunderschönen Wolfendorn.

Auf beiden Seiten bricht das Gelände jäh ab - damit erledigt sich für mich auch die Frage, ob es hier einen Durchschlupf zum Abstieg gibt. Zumal der Nebel die Frage verdichtet.

Und dann ist das Ziel des Tages inmitten herrlicher Wolkenspiele und Einsamkeit erreicht: Die Geigenspitze (2334 Meter).

Die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien verläuft direkt über der Geigenspitze - der komplette Aufstieg liegt aber auf italienischer Seite. Also heißt es erst jetzt für mich bei diesem Grenzstein: Home sweet home.

Blick hinüber zu Rollspitze und Amthorspitze, davor die Skitouren-Aufstiegswege des Wolfendorn.

Blick nach Nordosten zum Kraxentrager und der Wildseespitze sowie Schrammacher.

Nun aber noch kurz zum Übergang in Richtung Mäuerlscharte (2333 m). Der direkte Abstieg hier sieht nach II-III aus, könnte aber im steilen Grasgelände umgangen werden. Dennoch dürfte alles zumindest im III. Klettergrad liegen, obwohl das von hier sehr schwer einzuschätzen ist. Nässe und Wetterverschlechterung raten mir aber dringend von etwaigen Versuchen ab.

 

Daher betrachte ich lieber noch ein wenig die Wolkenspiele an diesem wundervoll mystischen Bergtag.

 

Die Tour war eine richtige Entscheidung, auch wenn mir die sonst sicherlich sehr schöne Aussicht auf der Geigenspitze verwehrt bleibt.

 

Nun sage ich aber Goodbye zu einem der einsamsten und zugleich einfachsten Gipfel, den ich in Nordtirol kenne. Hier ließe es sich bei warmem Wetter gut aushalten.

 

Und nun aber zurück in die Nebelsuppe.

 

Wie bereits erwähnt schnalle ich auf ca. 2000 Metern für gut 100 Höhenmeter die Spikes an. Bin froh, dass die an solchen Tagen bei solchen Touren immer im Rucksack sind.

 

Alsbald spuckt mich der Abstiegsweg querfeldein wieder unterhalb der Postalm aus. Mit Blick auf den Padauner Kogel warten nun die letzten Meter.

 

Und auf den Forststraßen oberhalb der Brenner-Autobahn endet die Tour dann auch schon wieder. Ein ungemein ruhiges und inspirierendes Erlebnis, das wieder den Pioniergeist in mir wecken durfte. Die Geigenspitze bleibt in guter Erinnerung.



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