Großer Bettelwurf via Osteck

2726 Meter

Karwendel

5. Oktober 2018

Autor: Jürgen

Mit auf Tour: Flo

 

Beschreibung:

Vom Halltal-Parkplatz beim Hackl (780m) mit MTB zur Wasserfassung beim Bettelwurfeck. Am Steig zur Alpensöhnehütte (1.345m) und weiter zur Hüttenspitze (1.858m) - siehe Beschreibung des oberen Anstiegs hier. Hinab in die Wechselscharte und über die Nagelwand und den Normalweg zur Fallbachkarspitze (2.316m) - deren Begehung über den Südgrat siehe hier. Nun am schmalen Grat in einem leichten Auf und Ab an den Bettelwurf-Gipfelaufbau heran. Auf ca. 2.500m linkshaltend in eine Rinne und aufwärts zur Scharte vor der Schlüsselstelle (ca. 2.600m). Oben am Grat zum Osteck und zum Gipfel (2.726m). Abwärts am Normalweg über den Eisengattergrat und an der Bettelwurf-Hütte vorbei retour ins Halltal und hinaus nach Absam. 

 

Schwierigkeitsgrad: sehr schwierig (T6/III+)

Langer, abwechslungsreicher Zustieg über Hüttenspitze (T4/I), Wechselscharte (II-), Nagelwand (versichert) und am Normalweg zur Fallbachkarspitze (unten T5/I, am Gipfelaufbau III-). Weiter am Grat (Stellen II, ausgesetzt) und über die Rinne (meist I, Stelle III-) zur Wand unterhalb des Ostecks. Der Durchstieg ist etwa 40m hoch, klettertechnisch bis III+, sehr steil und ausgesetzt; Sicherungsmöglichkeiten eingeschränkt: eine Sanduhr und ein wackeliger Haken nach etwa 30m. Am obersten Grat zum Gipfel Stellen II. Abstieg am versicherten Normalweg T4/I. 

 

Aufgrund des südseitigen Anstiegs ist es eine ideale Tour für stabile Herbsttage. Ein Rückzug vor der Schlüsselstelle wäre mit einem langen Abstieg retour zur Fallbachkarspitze und Wechselscharte verbunden. 

 

Dauer: 8:45 Stunden

Höhenmeter: 2.200 Meter

 

Parkplatz:

Halltal-Parkplatz beim Hackl.

 

Einkehrmöglichkeiten:

Bettelwurfhütte

 

Landschaft:  ********** (10/10)

Kondition:      ********* (9/10)

Anspruch:     ********** (10/10 - subjektive Höchstnote aus Sicht eines IIIer-Gehers)



Tiefblick vom 'Osteck' des Gr. Bettelwurf auf die Fallbachkarspitze und das Halltal. Das 'Osteck' beinhaltet nach über 2.000 Höhenmetern die schwierigste Passage der Tour im oberen III. Grad - man sollte also wissen, worauf man sich einlässt. 

 

Im Stockdunkeln radeln wir vom Hackl ins Halltal zur Wasserfassung und steigen am Steig in Richtung Alpensöhnehütte auf. Sonnenaufgang über dem wunderschönen Halltal mit Rosskopf (2.670m) und dem Gr. Lafatscher (2.696m)

 

Gegen 7:15 Uhr kommen wir zur Alpensöhnehütte (1.345m). Flo ist ein sehr guter Kletterer und da wir beide die Tour das erste Mal gehen, haben wir das Seil dabei. Ich möchte nicht nach 2.000 Höhenmeter Zustieg die Tour an der Schlüsselstelle abbrechen müssen. 

  

Oberhalb der Hütte durch den dichten Wald, auf ca. 1.500m wird's felsiger.

 

Über den Schrofenhang aufwärts. Heute haben wir absolut perfekte Verhältnisse.

 

Am kurzen Westgrat zur Hüttenspitze sehen wir die weiteren Ziele: rechts die Fallbachkarspitze, im Hintergrund der Gr. Bettelwurf mit dem markanten 'Osteck'. 

 

Eines der schönsten Täler überhaupt.

 

Osteck im Zoom. 

 

Auf der Hüttenspitze (1.858m), auch Halltaler Zunterkopf genannt. Ab hier beginnt die Tour so richtig. 

 

Von der Hüttenspitze am Ostgrat mit ca. 100 Meter Höhenverlust hinab in die Wechselscharte (II-), gegenüber durch die steile, versicherte Nagelwand wieder rauf. 

 

Abzweigung zur Fallbachkarspitze, auch als Gr. Wechselspitze ("W") bekannt. Rechts könnte man über die Kl. Wechselspitze ins Fallbachkar und weiter zur Hohen Fürleg

  

Bei der Holzstange auf 2.000m hat man die Wahl zwischen dem Südgrat zur Fallbachkarspitze (III) oder dem links davon in der noch schattigen Rinne verlaufenden Normalweg. 

 

Relativ steil, aber ohne Schwierigkeiten am markierten Normalweg (T5/I). 

 

Rückblick zur kleiner werdenden Hüttenspitze und auf Absam.

 

Wir steigen aus der Rinne aus und gelangen auf das kleine Wiesenplateau unterhalb der Fallbachkarspitze. 

 

Von hier noch 50 Höhenmeter zum Gipfel. Flo bereits in der Verschneidung (III-, an der schwierigsten Stelle mit Klammern entschärft). 

  

Die Verschneidung ist ein erster Test für die noch kommenden Schwierigkeiten. Wer sich hier unwohl fühlt, sollte die Tour keinesfalls fortsetzen. 

 

Flo ist ein alpin erfahrener Kletterer und hat seinen Spaß im schönen Fels. 

 

Kurz nach 10 Uhr kurze Pause auf der Fallbachkarspitze (2.316m), die eher ein Gratkopf als ein eigenständiger Gipfel ist. 

 

Nochmals das Osteck im Zoom. Man steigt links des Sporns in die schattige Rinne ein und dann nach rechts oben hinauf zur klettertechnischen Schlüsselstelle.

 

Wir lassen die Fallbachkarspitze hinter uns.

 

Ab hier für mich neues Terrain. Der Grat schnürt sich rasch auf eine schmalen Schneide zusammen, anfangs aber meist Gehgelände. 

 

Einige schmälere Stellen. Links steile Abbrüche ins Bettelwurfkarl, rechts ins Fallbachkar.

 

Drüben der Eisengattergrat, über den wir via Normalweg später absteigen werden. 

 

Geniale Gratwanderung, immer mit dem Höhepunkt vor Augen.

 

Wenn, wird eher ostseitig umgangen. 

 

Tolle Kletterstelle am Grat (II+). 

 

Ausgesetzt in schönem Fels. 

 

Und wieder Gehgelände. 

 

Steinmänner und Steigspuren weisen den Weg in die Ostflanke. Nässe wäre hier kein Vergnügen, die wenigen Schneereste machten keine Probleme. 

 

Eine etwas ausgesetzte nordseitige Querung (II+). 

 

Ein weiterer Abbruch zwingt uns zu einer tiefen ostseitigen Umgehung. 

 

Besagter Abbruch, die Umgehung erfolgt 50 Höhenmeter tiefer. 

 

Der Rest bis zum Gipfelaufbau ist Gehgelände in den steilen Schrofen. 

 

Der flache Grat neigt sich dem Ende zu, hier verlassen wir die Grasschrofen. 

 

Vor dem Sporn auf ca. 2.500m links bei einem großen Steinmann hinaus. 

 

Dahinter eine im unteren Bereich flache Rinne. 

 

Die Rinne schnürt sich zusammen, es folgt der von der Fallbachkarspitze nicht einsehbare Teil. 

 

Der rote Pfeil, die einzige Markierung zwischen Fallbachkarspitze und Gr. Bettelwurf. Die Orientierung ist bei gutem Wetter aber nirgendwo ein Problem. 

  

Man hält sich an der rechten Begrenzung der Rinne. Anfangs lt. Topo eine III-, kam uns leichter vor. 

 

Von oben. 

 

Der Rest der Rinne ist wenig schwierig (I), oben gelangen wir direkt zur Scharte. 

 

Mächtiger Tiefblick ins Fallbachkar. 

 

Herausragendes Panorama aus der Scharte (ca. 2.600m), rechts Hohe Fürleg (2.570m), links die zerklüfteten Fallbachkartürme, im Hintergrund der Hochnissl (2.547m).

 

Die Schlüsselstelle macht Eindruck, schaut aber machbar aus. Wir beratschlagen etwas ob der weiteren Vorgangsweise. Die Bewertungen schwanken zwischen III+ und IV-. Da die Stelle für uns beide eine Premiere ist und wir den oberen Teil nicht einsehen können, entscheiden wir uns für das Seil. 

 

Für Flo ist das Wandl natürlich kein Problem. Da er keine geeigneten Möglichkeiten für Zwischensicherungen findet, steigt er vor und richtet Stand oben bei der Sanduhr ein. 

 

Auf geht's für mich, die ersten Meter ab der Scharte sind unschwierig. 

 

Das untere, etwa 25m hohe Teilstück. Die Linie ist logisch vorgegeben und führt über den gut kletterbaren rechten Riss gerade nach oben, danach eine etwas kleingriffige Querung nach links auf das Podest, darüber wieder wenige Meter gerade auf der Kante und dann rechts über festen, sehr steilen Plattenkalk bis zu dem Punkt wo man Flo gerade noch erkennt. 

    

Vom Podest nach der kleingriffigen Querung kann man relativ bequem ein Foto machen. Flo sitzt noch gut 10m höher. Hier hält man sich ein paar Meter links entlang der Kante zu einem weiteren Platz, wo man etwas verschnaufen kann. 

 

Rückblick vom oberen Standplatz, links der Riss und dazwischen die kurze, griffarme und sehr ausgesetzte Querung. Dank Seil ist es stressfrei, hier gibt es aber nichts zu relativieren: das Terrain ist steil und sehr exponiert, die kurze Querung verdient eine III+.

 

Ein Schwenker nach rechts und weiterhin sehr steil, aber mit guten Griffen und Tritten hinauf zum Stand beim 'Schiffsbug' (III, nochmals ausgesetzt). 

 

Flo ganz cool bei der Sanduhr. Wir sind uns einig: klettertechnisch maximal III+, das Ganze wird aber durch die Ausgesetztheit nicht unwesentlich verschärft. 

 

Der schon ziemlich wackelige Haken. 

 

Wir packen das Seil ein, danach folgen die letzten steilen Klettermeter in der Verschneidung seitlich des 'Schiffsbugs' (II), erst danach endet diese Passage.

 

Wenn mich jemand fragt ob ich die Passage das nächste Mal seilfrei gehen würde: rein klettertechnisch ja, ich fühle mich im seilfreien III. Grad an sich wohl. Da diese Passage aber doch einen Tick anspruchsvoller, relativ lang und sehr exponiert ist, würde ich auch beim nächsten Mal das Seil dabeihaben wollen und je nach Tagesform entscheiden. Mit Seil hat die Stelle bei der Erstbegehung großen Spaß gemacht, ohne hätte die Anspannung überwogen. 

 

Für Flo ist das eine richtige Genusstour. 

 

Kurz vor dem Gipfelgrat, Bergsteigen kann so schön sein!

 

Etwas Vorsicht an den schneebedeckten Passagen im oberen Gratabschnitt.

 

Es folgt noch die eine oder andere IIer-Stelle, oben bereits der Gipfel. 

  

Lt. AVF müsste es vom Osteck ja irgendwo einen ostseitigen Abstieg ins Fallbachkar geben, das schaut mir aber nicht sehr verlockend aus. Viel lohnenswerter erscheint mir der Zustieg über das Fallbachkar und Pkt. 2625m über den kurzen Nordostgrat - dieser war Anfang Oktober aber schon voller Schnee. 

 

Hochgefühl. 

 

Beim eigentlichen 'Osteck' dreht der Gipfelgrat auf West, von hier nur mehr wenige Minuten zum ...

 

... Gipfel des Gr. Bettelwurf (2.726m). Es ist 12 Uhr, insgesamt haben wir bei lockerem Tempo und mit der Seileinlage fast 6 Stunden gebraucht. 

   

Rückblick zum Osteck, rechts unten der Zustiegsgrat von der Fallbachkarspitze. Das schwierige Kletterstück kann man auch westlich umgehen, eine Variante davon hat Rainer auf seinem Blog beschrieben

 

Flo und ich am Gr. Bettelwurf - ein herrlicher Gipfel, egal auf welcher Route. Das letzte Mal war ich am Neujahrstag 2016 hier. 

 

Blick nach Westen zum Überschalljoch und Halleranger, rechts der westliche Karwendelhauptkamm. 

 

Abstieg vom Gr. Bettelwurf, rechts die Halltalkette mit dem langen Grat zwischen Speckkarspitze und Kl. Bettelwurf

 

Wir nehmen den versicherten Normalweg hinab zum Eisengattergrat. Alternativ könnte man über den Westgrat und den Klettersteig direkt zur Bettelwurfhütte absteigen. 

 

Nochmals Pause an diesem absoluten Prachttag. 

 

Die vom Inntal so mächtig erscheinende Südflanke des Gr. Bettelwurf, rechts das 'Osteck'. 

 

Drüben der Grat von der Fallbachkarspitze. 

 

Der im Vorjahr gesperrte Steig zur Bettelwurfhütte ist wieder offen. 

 

Leider müssen wir die Hütte heute auslassen. Deren Lage ist wahrlich nicht zu übertreffen, dahinter die Speckkarspitze (2.621m). 

 

Abstieg bei sommerlichen Temperaturen. 

 

Ein Teil des Anstiegs von heute morgen über Hüttenspitze und Wechselscharte.

 

Runter ins Halltal. 

 

In der steinschlaggefährdeten Passage sind neue Warnschilder angebracht. 

 

Halltal, es war uns wieder ein Vergnügen!

  

Dank unserer Radl rollen wir in wenigen Minuten hinaus zum Parkplatz beim Hackl. Wir genießen noch einmal den Blick auf die besuchten Gipfelziele. Touren im Halltal und besonders auf den Bettelwurf sind immer etwas besonderes, und diese Route bekommt einen echten Ehrenplatz in unserer Tourenhistorie.

  


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    rainer (Samstag, 13 Oktober 2018 11:40)

    Gratuliere Juergen!